Schlafstörungen Schlafprobleme analysieren

Was tun gegen schlechte Nächte? FÜR SIE-Autorin Anne Hansen hat sich dafür in ein Schlaflabor begeben, überwacht von Elektroden, Computern – und einem netten Helfer namens Georg.

Schlafproblem Schlafprobleme analysieren © Thinkstock

Jeder dritte Deutsche glaubt, an Schlafstörungen zu leiden. Ich auch. Manchmal wache ich morgens kaputt auf und frage mich, ob ich es überhaupt irgendwann in der Nacht bis ins Reich der Träume geschafft habe. Aber ist das für eine erholsame Bettruhe überhaupt nötig? Wie viel Wachliegen ist noch in Ordnung? Und ab wann muss schlechter Schlaf behandelt werden? Um das herauszufinden, melde ich mich im Schlaflabor der Berliner Charité an. „Es gibt 88 Diagnosen von Schlafstörungen. Hier können wir herausfinden, welche vorliegt“, sagt Schlafforscher Professor Dr. Thomas Penzel. „Frauen leiden doppelt so häufig wie Männer an Ein- und Durchschlafstörungen. Die Wachphasen betragen dann mehr als 15 Prozent. Aber eine gestörte Nacht ist noch keine Schlafstörung.“ Nach meinem Besuch dort weiß ich: Ich habe exakt 88 Minuten vom Zubettgehen bis zum Einschlafen gebraucht. Normal sind 20.

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19:30 Uhr Einchecken zur Schlaf-Mission in der Berliner Charité

Für eine Nacht ist Zimmer neun im „Advanced Sleep Research“- Institut für mich reserviert. 500 Patienten übernachten hier jedes Jahr, heute bin ich eine von ihnen. Kein Laut dringt von draußen hinein. Die Einrichtung – Bett, Schrank, Nachttisch, Stuhl, Fernseher – ist in Weiß und Beige gehalten. Alles sieht nüchtern und klar aus, als sollte mich nichts ablenken von meiner Schlaf-Mission. In der Zimmerecke hängt eine kleine Kamera, die direkt auf mich gerichtet ist und blinkt. Zeichnet die etwa schon auf? Später würde ich verkabelt, sagt Georg, ein 23-jähriger Medizinstudent, der heute Nachtdienst hat. Bis dahin soll ich alles so machen wie zu Hause auch. Dann sei das Ergebnis am aussagekräftigsten. Also fernsehen und Schokolade futtern.

22:00 Uhr Mit 20 Kabeln auf der Suche nach dem Bauplan des Schlafes

Fast eine Stunde braucht Georg, um mich zu verkabeln. Ich habe Elektroden an den Beinen, am Bauch, an der Brust, hinter dem Ohr und am Kopf. Dadurch kann man meine Hirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) darstellen. Auch Muskelspannung im Kinn sowie Bein- und Augenbewegungen sind Messgrößen des Schlafes. Um diese aufzuzeichnen, klebt Georg Elektroden in die Nähe der Augenwinkel. Insgesamt hängen 20 Kabel an meinem Körper herab. Hinzu kommen Gurte um die Brust und den Bauch und Nasenschläuche, die Atemanstrengungen und mögliche Atemaussetzer registrieren sollen. Diese können ein Hinweis auf Schlaf-Apnoe sein. Der wiederholte Atemstillstand versetzt den Körper in Dauerstress. Bluthochdruck und ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Folge. Mein Herzschlag wird die ganze Nacht mittels EKG überwacht, um möglichen Herzrhythmusstörungen auf die Spur zu kommen.

Die Polysomnografie (so nennt sich diese aufwendige Untersuchung) liefert jede Menge Daten über mein Schlafprofil. Anhand der Stromkurven können die Experten erkennen, ob ich gut von einer Schlafphase in die nächste gleite. „Wir gehen heute davon aus, dass es fünf Schlafstadien gibt, die Nacht für Nacht bei Gesunden, aber auch bei Schlafgestörten in unterschiedlicher Ausprägung vorkommen“, sagt Professor Penzel. „Jedes Schlafstadium erfüllt eine Aufgabe und sollte in einem bestimmten Anteil vorkommen.“ Denn Schlaf folgt einem Bauplan: Vier Schlafstadien ohne Augenbewegung plus REM-Schlaf (Rapid Eye Movements = schnelle Augenbewegungen im Traumstadium mit verstärkter Hirnaktivität) bilden zusammen einen Schlafzyklus, den wir vier- bis fünfmal pro Nacht durchlaufen. Hoffentlich lande ich schnell in Stadium eins, dem Dämmerschlaf. Darin sinkt die Hirnaktivität, die Muskeln entspannen langsam. Herrlich.

 

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