Bürostuhl im Test Rückenprobleme am Schreibtisch

Trends gibt's ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie Außenseitermethoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesen Monat: Kann ein Bürostuhl den Rücken lockern?

Rückenprobleme am Schreibtisch © jalag-syndication.de

Eigentlich weiß ich es ja besser: Ich sollte schön aufrecht sitzen, wenn ich am Schreibtisch arbeite. Immer mal wieder die Position wechseln, nicht völlig schief über meinen Unterlagen hängen, mich zwischendurch etwas bewegen und bloß nicht ständig die Beine überschlagen. So weit die Theorie. Wenn es nur mit der Umsetzung nicht so schwierig wäre. Immer wieder ertappe ich mich in den unmöglichsten Sitzhaltungen – Schulter- und Nackenverspannungen inklusive. Ich vergesse einfach, vernünftig zu sitzen. Und mein Bürostuhl denkt überhaupt nicht mit. Genau! Mein Stuhl ist schuld. Mit einem „intelligenteren“ Modell wäre das bestimmt ganz anders. Wäre es das wirklich? Das möchte ich jetzt wissen.

Mein Hightech-Testobjekt der Marke Haider hört auf den schönen Namen „Bioswing 460“. Das klingt gesund und dynamisch – mit der nötigen Portion technischer Kompetenz. Zuerst habe ich allerdings so meine Schwierigkeiten, das massive Gerät aus dem Karton zu befördern. Ganz schön schwer – oder, positiv ausgedrückt: stabil. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass der Sitz eine ganz ungewöhnliche Befestigung hat. Er liegt auf vier massiven Federn. Stand- und Sitzfläche sind dadurch entkoppelt. Das sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, fühlt sich aber großartig an. Aahhh! – Schon nach fünf Minuten auf dem neuen Stuhl bin ich begeistert. Mein Rücken wird ganz leicht. Auch noch Stunden später sitze ich absolut bequem – und zwar ohne dass ich viel dafür tun muss. Das übernimmt tatsächlich mein schlaues Büromöbel. Denn der Stuhl ist nach allen Seiten beweglich und permanent im Einsatz.

Weitere Infos

Den „Bioswing 460“ gibt es im Fachhandel. Preis: ab ca. 1195 Euro, schlichtere Modelle ab 665 Euro, als Drehhocker ca. 400 Euro. Infos: Haider Bioswing, Tel. 0 92 34/99 22-0, www.bioswing.de

Auf jeden noch so kleinen Impuls reagiert der spezialgefederte Sitz mit Mini-Schwingungen, die der Körper wiederum mit kaum spürbarer Muskelaktivität beantwortet. Das ständige Wechselspiel zwischen Schwingung und Bewegung, Belastung und Entlastung soll besonders die tiefliegenden Muskeln ansprechen, die die einzelnen Wirbelkörper miteinander verbinden, lese ich im umfangreichen Handbuch. Das bedeutet: Entlastung für die Bandscheiben. Außerdem soll sich die Anzahl der Bewegungsimpulse im Nervensystem erhöhen. Mit positiven Effekten auf Haltung, Körperbewusstsein und sogar die geistige Leistungsfähigkeit. Ob ich mich jetzt besser konzentrieren kann? Schwer zu sagen. Ich fühle mich jedenfalls topfit. Und meine typische starre Haltung, die sonst so gerne Schultern und Nacken verkrampfen lässt, hat bei diesem Stuhl keine Chance. Das ist für mich die Hauptsache.

Fazit: Auf so einem durchdachten Teil sitzt es sich wirklich viel entspannter als auf dem üblichen Standardmöbel, bei dem allenfalls Sitzneigung und Lehnendruck verstellt werden können. Am liebsten würde ich meinen schwingenden Untersatz gar nicht mehr hergeben. Bei dem stolzen Preis bleibt mir aber leider keine andere Wahl. Hätte ich ein Heimbüro, würde ich aber sicherlich über die Investition in einen „Bioswing“ nachdenken.

 
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Autor:
Eva Hübbe