Riechstörung Riechstörungen

Frisches Heu, Kinderhaar, Parfum – Gabriele Forster kann all das die meiste Zeit nicht riechen. Nur wenige Wochen im Jahr ist es anders.

Frau riecht an Blume Riechstörungen © iStockphoto

Zweimal im Jahr ist die Welt für Gabriele Forster ein Rausch aus Gerüchen. „Ich könnte dann bei jedem Atemzug jubeln. An frischem Heu vorbeigehen – wow! Es beginnt zu regnen, der Geruch wandelt sich – was für ein Glücksmoment.“ Für die meisten von uns ist das eine selbstverständliche Duftkulisse. Für Gabriele Forster ein seltenes Erlebnis, eines, das sie lange im Voraus plant. Denn normalerweise kann die 42-Jährige keine Gerüche mehr wahrnehmen: Seit drei Jahren leidet sie unter einer Riechstörung.

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„Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter Anosmie, dem Verlust des Geruchssinns, die meisten davon sind Frauen“, so der HNO-Arzt Dr. Sven Becker von der Uniklinik München. „Die häufigsten Ursachen sind chronische Nebenhöhlenentzündungen oder Grippe-Infektionen, bei denen die Riechzellen in der Nase angegriffen werden.“ Wieso Gabriele Forster nichts mehr riechen kann, ist unklar. „Ich fahre sehr viel Rad, auch bei großer Kälte, da läuft mir dauernd die Nase, ein Dauerschnupfen, obwohl ich gar nicht krank bin. Das kann dazu geführt haben.“ Bei vielen verschwindet die Störung nach ein, zwei Jahren. Anders bei der Mutter eines kleinen Sohnes.

Doch sie hat Glück im Unglück: Durch eine einmalige, hochdosierte Kortisoneinnahme lässt sich ihr Geruchssinn vorübergehend wieder aktivieren. Danach kann sie für einige Zeit ganz normal riechen. Aber öfter als zweimal pro Jahr kann sie die Therapie nicht anwenden. Umso mehr genießt sie ihre „duftenden Wochen“. Sie sind die Höhepunkte des Jahres. Und die werden sorgfältig ausgewählt. „Der Frühling ist auf jeden Fall dabei, ich liebe den Duft von meinem Kräutergarten, von Oregano, Lavendel und Zitro nen me lisse.“ Doch dann: Soll’s zu Weihnachten sein mit den Gerüchen von Plätzchen und Kerzen oder zu einer Reise?

Dank der Phasen, in denen es wie früher ist, geht es Gabriele Forster besser als Menschen mit dauerhafter Riechstörung. Diese leiden manchmal unter Depressionen und Gewichtsverlust, denn wer nichts schmeckt, verliert oft den Appetit. Was ihr schmerzlich fehlt, sind die Verknüpfungen von Gerüchen und frühen Erinnerungen und der Duft, den jedes Zuhause hat. „Als wir umgezogen sind, hatte ich kein Empfinden dafür, wie es bei mir da heim riecht. Erst als ich nach einer Kortisongabe im Zimmer meines Soh nes seinen vertrauten Geruch wahrnehmen konnte, war die Welt wieder in Ordnung.“

Fakten zum Riechen

  • Jeder Mensch besitzt etwa 30 Millionen Riechzellen. Zum Vergleich: Hunde haben bis zu 220 Millionen.
  • Alle 4–6 Wochen erneuern sich die Riechzellen komplett.
  • Frauen können Schweiß besser wahrnehmen als Männer.
  • Das Riechvermögen nimmt im Alter ab.
  • Ist der Geruchssinn durch Entzündungen der Nasennebenhöhlen gestört, helfen Medikamente mit Kortison. Sie dürfen aufgrund möglicher Nebenwirkungen nicht dauerhaft angewendet werden. Bei anderen Ursachen wie Nervenstörungen hilft Kortison nicht.
 
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Autor:
Mark Kuntz