Hygiene, Keime

Warum Putzen der Gesundheit schadet

Gute Nachricht aus der Wissenschaft: Sie müssen nicht mehr ständig mit dem Wischlappen parat stehen. Keime stärken sogar die Abwehr

Sie sind überall, in der Küche und im Bad, auf dem Bettvorleger, vor allem aber auf unserem Körper: „Dort gibt es deutlich mehr Bakterien, als wir Zellen haben“, sagt Armin Schuster vom Institut für Krankenhaushygiene und Umweltmedizin an der Uniklinik Freiburg. Billionen dieser Winzlinge halten den Säureschutzmantel unserer Haut intakt, unterstützen den Darm, bringen die Infektabwehr auf Trab. Der Mikrobiologe: „Die allermeisten Keime sind unsere Freunde und halten die wenigen unangenehmen unter Kontrolle.“ Dennoch kommen immer mehr Produkte mit antimikrobiellen Substanzen auf den Markt, die schädliche Bakterien und Pilze abtöten sollen, zum Beispiel Putzmittel, Zahnpasta und sogar Sportbekleidung.

Lebensmittel sind anfällig für Bakterien

Völlig überflüssig, sagt Schuster: „Da erhalten die Verbraucher Lösungen für ein Problem, das nicht existiert. Denn im Normalfall kommt unser Organismus mit Umgebungskeimen prima zurecht.“ Die Bakterienkiller sind bisweilen sogar schädlich: Manche Stoffe können Allergien auslösen. Ein Toilettensitz ist trocken und hat eine glatte Oberfläche – kein Nährboden für Keime. Nichts wächst und gedeiht, wogegen man scharf durchgreifen müsste. Ganz anders sieht es in der Küche aus. Lebensmittel sind anfällig für Bakterienbefall, zum Beispiel Salmonellen, die schlimmen Brechdurchfall hervorrufen können. „Sie stecken vor allem in rohem Fleisch und in Eiern. Kühlen verhindert ihre Vermehrung, Temperaturen über 75 Grad töten sie ab“, sagt Schuster. „Damit keine Keime verschleppt werden, etwa vom Auftauwasser des Hähnchens ins Dessert, ist es wichtig, Arbeitsgänge und Küchenutensilien strikt zu trennen.“ Außerdem: Küchenlappen und Schwämme immer gut trocknen und oft waschen.

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