Hypnose und Lachgas

Nie wieder Angst vorm Zahnarzt

Total relaxt geht wohl niemand zur Zahnkontrolle. Können Hypnose und Lachgas gegen das große Zittern helfen?

zahnarzt-angst Nie wieder Angst vorm Zahnarzt © iStockphoto/Thinkstock

Stefan aus Heidelberg hätte vielleicht der Vater meiner Kinder werden können. Leider studierte er Zahnmedizin. Als er mir das erzählte, machte es „Poff“ in meinem Kopf, und sämtliche Schmetterlinge in meinem Bauch stürzten ab. Die Vorstellung, mit einem Zahnarzt auf Tuchfühlung zu gehen, ist für mich seit dem Milchgebissalter so grausig wie für andere die einer Vogelspinnen-Prüfung im Dschungelcamp. Solange ich denken kann, saß ich selbst bei harmlosen Kontrollterminen völlig verkrampft, schweißnass und zitternd auf dem Behandlungsstuhl. Vermutlich haben mich bisher nur gute Gene und akribisches Putzen vor einem Lückengebiss bewahrt. Bohren oder gar Schlimmeres? Unmöglich! Mit meinem Angstproblem bin ich nicht allein. Schätzungsweise 20 Prozent aller Erwachsenen schieben heftigste Panik, wenn sie zum Zahnarzt müssen. Meist ist eine unangenehme Erfahrung in der Kindheit schuld, die sich in den Tiefen der Seele verankert hat. Bewusst kann man diesen Automatismus nicht steuern. Einige Zahnärzte haben sich deshalb auf Methoden spezialisiert, die den irrationalen Fluchtreflex ausschalten: Mit Hypnose oder Lachgastherapie versetzen sie ihre Patienten in Tiefenentspannung. Das Versprechen: Die Praxis verwandelt sich in eine Komfortzone, wenn man mit Worten auf eine Seelenreise geschickt oder mit einem Luft-Gas-Gemisch sanft betäubt wird.

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Urlaubsgefühl statt Angst beim Zahnarzt: „In Hypnose lag ich am Palmenstrand von Bali“

Bei der Hypnotherapie wird die Aufmerksamkeit des Patienten von der Zahnbehandlung weggelenkt. Erfolgsrate: mehr als 70 Prozent

Helles Holz und große Fenster, gelbe Schränke und grüne Pflanzen – die Gemeinschaftspraxis von Kay Groß und seinen Kolleginnen in Norderstedt hat wirklich nichts Furchterregendes. Sie riecht noch nicht einmal nach dem für Zahnärzte typischen Desinfektionsmittel. Ich krame trotzdem noch einmal nach einem Taschentuch, bevor ich der sympathischen Assistentin meine Versichertenkarte überreiche – meine Handflächen sind schweißnass. Kay Groß kommt lächelnd auf mich zu. Peinlich – ausgerechnet vor diesem liebenswerten Mann panike ich wie vor dem Menschen, der Bambis Mutter erschießt. „Sie brauchen nicht gleich auf den Behandlungsstuhl“, sagt er beruhigend. „Setzen Sie sich auf Sessel oder Sofa, wenn Sie mögen. Heute sollten Sie Hypnose erst mal kennenlernen. Um die Zähne kümmern wir uns nächstes Mal.“ Dann erklärt er mir, dass die Trance, in die er mich führen wird, nichts anderes ist als die Umleitung der Gedanken auf etwas Schönes – vergleichbar mit einem Tagtraum, in den man so sehr versinkt, dass man seine Umgebung vollkommen aus blendet.

„Sie werden trotzdem alles wahrnehmen, was um Sie herum passiert“, sagt der Zahnarzt. „Es geschieht nichts, womit Sie nicht einverstanden sind.“ Vielen Patienten fällt es leichter, sich ganz auf die ruhigen Worte des Hypnosetherapeuten zu konzentrieren, wenn sie zuvor mit den Augen ein Pendel verfolgen. Also versuchen auch wir es mit diesem Klassiker. Ich starre auf die sanft schwingende Kugel. Bald werden meine Augen müde und fallen von selbst zu. Kay Groß führt mich mit warmer Stimme auf den Weg, den ich mir vorstellen soll: Stufe für Stufe steige ich in Gedanken eine Treppe hinab. Dort öffne ich eine Tür – und bin an einem balinesischen Palmenstrand. Die Gischt der Wellen prickelt auf meiner Haut, Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase. Das alles fühle ich und weiß doch, dass ich in Wirklichkeit in einer Zahnarztpraxis sitze. Doch der Hypnosetraum ist so schön, dass ich am liebsten für immer im Sand sitzen bleiben möchte. Alles Unangenehme, sagt Kay Groß, fließe nun durch meinen linken Arm ab. Tatsächlich –meine Angst verlässt mich durch die Fingerspitzen, die ruhig auf der Sessellehne liegen. Als ich mit dem Hypnotiseur meine Traum-Treppe wieder hinaufgehe und schließlich die Augen öffne, hat sich meine Panik in Gelassenheit verwandelt. Beim nächsten Termin werde ich schon viel ruhiger im Wartezimmer sitzen. Und bestimmt sogar ohne Herzklopfen den Mund öffnen.

Vor der Zahnbehandlung: Der Besuch beim Hypnothiseur

1 Eine sympathische Assistentin empfängt mich am Tresen der lichtdurchfluteten Praxis. Trotzdem zittern meine Hände, als ich meine Karte abgebe.
2 Zu Beginn der Hypnose verfolge ich mit den Augen das sanft schwingende Pendel.
3 Mit seiner ruhigen Stimme leitet mich Zahnarzt Kay Groß in meine Tiefenentspannung.
4 Die Hypnose ist wie ein wunderschöner Traum, in dem ich an einem Palmenstrand liege. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass ich die Trance jederzeit beenden könnte.
5 Zurück im Hier und Jetzt bin ich immer noch völlig entspannt und glücklich – die Angst ist weg.

Hypnose-Infos

  • Kosten: ab 40 Euro pro Sitzung. Zur dauerhaften Angstbewältigung sind oft mehrere Termine nötig.
  • Wirkung: In der Tiefenentspannung ist man entstresst, spürt weniger Schmerzen und/oder Würgereiz.
  • Adresse: Gibt’s bei der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH), www.dgzh.de.

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