Experten-Rat
Keine Angst vor Myomen
Myome treten häufig bei Frauen über 35 Jahren auf. Frau Prof. Marion Kiechle ist Direktorin der Frauenklinik der TU München und erklärt, dass das Auftreten von Myomen meist harmlos ist und wie man mit ihnen umgeht.
PROF. MARION KIECHLE ist Direktorin der Frauenklinik rechts der Isar der TU München. Sie ist deutschlandweit die erste Frau, die einem Gynäkologie-Lehrstuhl vorsteht. Sie ist u. a. Vorsitzende der Bayerischen Bioethik-Kommission und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
"Myome sind kein Grund zur Sorge"
Viele meiner Patientinnen sind erschrocken, wenn bei ihnen ein Myom entdeckt wird – übrigens meist zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung. Dabei gibt es kaum Grund zur Sorge. Diese knubbeligen Auswüchse der Gebärmutterwand wachsen bei jeder vierten Frau über 35 Jahren. Meist sind sie nicht gefährlich. Nur wenn sie so groß sind, dass die Patientin darunter leidet, behandeln wir. Diese Beschwerden können beispielsweise Schmerzen beim Sex sein. Oder die Blutungen sind besonders stark und lang. Es kommt auch vor, dass Myome auf Blase oder Darm drücken. Manchmal liegen sie zudem so ungünstig, dass sie eine Schwangerschaft verhindern.
Früher waren viele Ärzte der Meinung, wegen eines Myoms müsse die Gebärmutter herausoperiert werden. Heute weiß man: Das ist nur sehr selten notwendig – etwa wenn die Myome zahlreich sind und andauernde Schmerzen verursachen. Bei Blutungsstörungen kann auch die Pille helfen. Es gibt auch stärkere Medikamente, die die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone beeinflussen. Diese sogenannten „GnRH-Analoga“ können allerdings Nebenwirkungen haben, unter anderem Hitzewallungen.
Mein belgischer Kollege Dr. Jacques Donnez hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass die Substanz Ulipristalacetat, auch bekannt als „Pille danach“, Myome ohne diese Nebenwirkungen zum Schrumpfen bringen kann. In Deutschland wurde diese Therapiemöglichkeit Anfang März dieses Jahres zugelassen – bisher allerdings nur zur Vorbereitung auf eine Operation. Ist eine Entfernung angezeigt, gibt es mehrere Möglichkeiten: Ist das Myom nicht größer als fünf Zentimeter, kann man es in der Regel durch eine Bauchspiegelung entfernen – das heißt durch winzige Schnitte. Je nach Sitz des Myoms können auch größere Myome per Bauchspiegelung entfernt werden.
Eine Alternative zu dieser OP ist die sogenannte Embolisation. Dabei spritzen wir winzige Kunststoffteilchen in die zuführenden Blutgefäße. Das Myom wird regelrecht ausgehungert und bildet sich zurück. Dieses Verfahren dauert nur eine Stunde. Eine weitere, neuere Methode ist der Einsatz von „fokussierten Ultraschallwellen“, die das Myom durch Hitze zerstören. Allerdings muss diese Behandlung in einem Kernspintomografen erfolgen, da nur hierüber die Temperaturmessung im Myom korrekt erfolgen kann. Und die Kostenübernahme durch die Kassen muss noch im Einzelfall beantragt werden.



Ergänzende Informationen zu Myomtherapien
Wir möchten darauf hinweisen, dass bei Myomen, die direkt unter der Gebärmutterschleimhaut liegen, eine weitere Möglichkeit zur gynäkologischen operativen Myomtherapie geboten wird durch die hysteroskopische Myomresektion. Hierbei wird durch den vaginalen Zugang durch z.B. eine Elektroschlinge das Beschwerden verursachende Myom abgetragen – ohne, dass die Bauchdecke bzw. Haut der Patientin verletzt wird.
von Caren Jacoby | ... ~