Allergie, Intoleranz oder Stress-Syndrom? Manche Allergie ist gar keine

Viele haben Beschwerden nach dem Genuss bestimmter Speisen. Doch nicht jede Reaktion aufs Essen ist eine allergische

Manche Allergie ist gar keine Manche Allergie ist gar keine © flucas-Fotolia

 

Professionelle Hilfe

Hier finden Sie Adressen von Ernährungsberatern in Ihrer Nähe, die sich auf Lebensmittelallergien und -intoleranzen spezialisiert haben: www.daab.de und www.ak-dida.de.

Letzten Sonntag – ich hatte zum Brunch eingeladen. „Für mich bitte keinen Cappuccino“, sagt Heidi. „Da ist Milch drin. Bloß nicht! Sonst kriege ich wieder Bauchkrämpfe.“ Sybille will wissen, ob im Kuchen Nüsse seien. Davon bekäme sie Gaumenjucken. Und Peter verkündet, er meide neuerdings Weizen. „Seitdem geht es mir viel besser!“ Als die Gäste weg waren, fragten wir uns, ob es vielleicht neuerdings Mode sein könnte, dieses oder jenes Lebensmittel nicht zu vertragen. Es hat schon immer Menschen gegeben, die empfindlich auf die eine oder andere Speise reagieren. Und dass Allergien zunehmen, ist bekannt. Nur seltsam: Dieses Schicksal hat plötzlich unseren halben Bekanntenkreis erwischt!

 

Im Internet kursieren zu viele Halbwahrheiten

Gefühlt sagt ein Drittel der Deutschen: Ich vertrage bestimmte Lebensmittel nicht. Tatsächlich leiden aber nur drei Prozent an einer echten Nahrungsmittelallergie. Der Rest alles Spinner und Hypochonder? Keinesfalls. „Wir haben den Bezug zu unserem Essen verloren“, sagt Dr. Imke Reese, Ernährungsberaterin in München. „Immer weniger Menschen kochen selbst. Viele wissen nicht, woraus ihre Speisen bestehen. Die Folge: Man fühlt sich ausgeliefert und macht das Essen für alle möglichen Beschwerden verantwortlich. Aber Bauchkrämpfe, Durchfall oder Blähungen können auch eine Begleiterscheinung von Stress und Hektik sein.“

Diese Beiträge helfen gegen Allergien

Erfahren Sie mehr rund um das Thema Allergien: 

 

 Hilfe bei Allergien
Neue Allergie-Therapien
 Allergien - Werden wir immer empfindlicher

Weitere Beiträge zum Thema Gesundheit finden Sie hier>>

 Allergologe Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin macht die Medien mitverantwortlich. „Im Internet kursieren jede Menge Halbwahrheiten über Allergien“, sagt der Privatdozent. „Das trägt zu einer allgemeinen Hysterisierung bei.“ Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Unverträglichkeiten, die einer Allergie zum Verwechseln ähnlich sehen. Bei einer Nahrungsmittel-Intoleranz kann der Körper bestimmte Substanzen nicht optimal verwerten, weil er die notwendigen Enzyme nicht in ausreichender Menge produziert oder sie ihm sogar ganz fehlen. Das bereitet oft nur nach dem Verzehr größerer Portionen Probleme – und das bis auf wenige Ausnahmen mit zeitlicher Verzögerung. Am häufigsten sind Intoleranzen gegen Milch und Fruchtzucker. Ebenfalls, wennauch seltener, können Farb- und Aromastoffe, Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker allergieähnliche Symptome auslösen. Außerdem kann eine andere Erkrankung, etwa ein anhaltender Magen-Darm-Infekt, zu der Vermutung führen, plötzlich auf ein Lebensmittel allergisch zu reagieren.

 

1 2
Seite 1 : Manche Allergie ist gar keine