Gesundheit

Langschläfer sind vor Demenz geschützt

Laut einer Studie stärkt jede Minute Schlaf das Gedächtnis. Und auch sonst können wir viel tun, um das Vergessen aufzuhalten.

Gesund schlafen Langschläfer sind vor Demenz geschützt © odrakon/ iStock/ Thinkstock

Kennen Sie das? Der Wecker klingelt – doch zwischen Daunendecke und Kuschelkissen ist es viel zu schön, als dass man aufstehen wollte. Allzu vernehmlich flüstert die innere Stimme, wie wunderbar es jetzt wäre, sich noch einmal umzudrehen und zehn Minuten weiterzuschlummern. Dieses Signal unseres Körpers hat eine Schutzfunktion für unser Gehirn, fanden amerikanische Wissenschaftler der Uni Rochester jetzt heraus.

Ihre Entdeckung ist die Sensation der Demenzforschung: Jede Extraminute Schlaf senkt das Risiko, im Alter geistig abzubauen. Die Beobachtung der Neurologen: Während wir schlummern, schrumpfen unsere Hirnzellen ein wenig – um Platz zu machen für Hirnflüssigkeit, die durch die Kanäle zwi-schen den Zellen rauscht. Und wie ein Dampfstrahler Abfallstoffe wegspült. Beta-Amyloide zum Beispiel, jene Eiweiße, die sich nach und nach ablagern und so Alzheimer auslösen können – die häufigste Form der Demenz (siehe Kasten). Die Forscher vermuten, dass auch bei der Entwicklung anderer Demenzformen Zellgifte beteiligt sind. Weil er das Hirn-Reinigungsprogramm aktiviert, ist ausreichend Schlaf die beste Versicherung gegen den extremen geistigen Abbau im Alter.

Dement zu werden ist eine der größten Sorgen vieler

„Nutzen Sie am besten jede Gelegenheit für diese Müllabfuhr“, rät Studienleiterin Dr. Lulu Xie. So profitiert unser Gehirn am Wochenende mehr von einem Mittagsschlaf als von einem mit Freizeitterminen vollgepackten Tag. Und von einer Party früher nach Hause zu gehen ist langfristig für das Denkvermögen gesünder, als die Nacht durchzumachen. Dement zu werden ist eine der größten Sorgen vieler. Die gute Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit, im Alter „verwirrt“ zu werden, sinkt: 1991 litten noch 8,3 Prozent der Menschen über 65 Jahren an Demenz. Heute sind es 6,5 Prozent. Die mögliche Erklärung: Wir müssen uns heute mit mehr Technik auseinandersetzen, lernen stets dazu und verfügen so über ein trainierteres Gehirn als frühere Generationen. Zudem finden Forscher immer mehr körpereigene Schutzschilde gegen das Vergessen. „Wer sein Gehirn regel mäßig herausfordert, etwa eine neue Sprache lernt, hat schon viel getan“, sagt Professor Georg Adler, Leiter des Instituts für Studien zur Psychischen Gesundheit in Mannheim. Auch wichtig: Freundschaften pflegen. Im Austausch mit anderen halten wir unser Hirn auf Trab. Laut einer amerikanischen Studie sind ältere Menschen mit aktivem Sozialleben statistisch um 70 Prozent leistungsfähiger im Denken.

Was dem Herz hilft, hilft auch dem Verstand

„Ansonsten gilt: Was dem Herz hilft, hilft auch dem Verstand“, erklärt Professor Adler. Das bedeutet: Man sollte Normalgewicht anstreben, sich regelmäßig bewegen, Blutdruck sowie Zucker-und Cholesterinspiegel nicht zu stark ansteigen lassen. Der Anti-Demenz-Lebensstil kann auch gut schmecken: So sollten etwa Antipasti öfter auf den Tisch. Denn „Mittelmeerkost“ mit viel Gemüse und pflanzlichen Ölen kann das Demenzrisiko senken. Zum Nachtisch sind Beeren ideal – deren Anthocyan-Farbstoffe können ebenfalls das Gehirn schützen. Wie auch Kaffee: Laut einer finnischen Untersuchung erkranken Kaffeetrinker deutlich seltener an Demenz als Koffein-Abstinenzler. „Zudem kann eine gute Versorgung mit Folsäure vor dem Vergessen schützen“, so Professor Adler. Das Vitamin steckt vor allem in Spinat, Fenchel, Vollkornbrot und Nüssen. 300 Mikrogramm empfehlen Experten pro Tag – die liefern etwa 300 Gramm Spinat. Ein weiterer heißer Kandidat der Demenz-Präventionsforschung: die Ginkgo-Pflanze. Ginkgo biloba verbessert Hirndurchblutung und Gedächtnisleistung (z.B. „Tebonin“, rezeptfrei, Apotheke). Was laut dem Demenzexperten unserem Geist aber besonders guttut: „Leben Sie möglichst ausgeglichen und stressfrei“, rät Professor Adler. Und dazu trägt ebenfalls der entspannende Schlaf bei.

Wissenswertes
Demenz

Weitere interessante Artikel zum Thema Gedächtnis und Gesundheit finden Sie hier:

Leben mit Demenz
Trinken gegen Gedächtnislücken
Musiktherapie

Zwei von drei Demenzkranken werden zu Hause gepflegt. Eine Aufgabe, die von den Angehörigen oft viel Geduld verlangt. Und Ideenreichtum, meint Pflege-Experte Martin Moritz von der Angehörigenschule Hamburg. Hier verrät er Tricks, die Patienten den Alltag erleichtern und die Pflegenden entlasten.

Ist Alzheimer gleich Demenz?

Morbus Alzheimer ist eine spezielle Form der Demenz. Bei diesen Patienten (ca. 70 Prozent aller Betroffenen) kennt man die körperliche Ursache: giftige Eiweißbruchstücke, die sich im Gehirn abgelagert haben. Diese Hindernisse stören die Kommunikation der Nervenzellen. Die Folgen sind (ebenso wie bei den 30 Prozent Dementen, die diese Ablagerungen nicht haben) unter anderem Störungen von Gedächtnis, Orientierung und Sprache und später auch die Fähigkeit, mit anderen in Kontakt zu treten.

1 2