Dr. Martin Adler

Künstliche Gerüche

Dr. Martin Adler ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Homöopathie, Umwelt- und Ernährungsmedizin sowie Akupunktur. Der Experte erklärt, was künstliche Gerüche bewirken.

Zitronenduft Künstliche Gerüche © Andy Sotiriou, Thinkstock

Dr. Martin Adler praktiziert in Siegen. An der Universität Münster ist er Lehrbeauftragter und Fachbereichsleiter für Naturheilverfahren

Kürzlich berichtete mir ein Kollege, was er in England erlebt hat. Er wartete auf den Bus, als er den Geruch einer frisch gebackenen Ofenkartoffel erschnupperte. Hungrig geworden, schaute er sich nach dem Restaurant um, das er als Quelle dieser Leckerei vermutete. Aber weit und breit gab es nichts, wo er hätte einkehren können. Schließlich entdeckte er, dass sich eine Tiefkühlkost-Firma einen bizarren Werbegag hatte einfallen lassen: An der Haltestelle hing ein Poster mit einer Riesenkartoffel. Wenn man draufdrückte, verströmte es den Duft. Ob man das Kunstaroma nun mag oder nicht – es kann gesundheitsgefährdend sein.

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Schon lange sehen wir Ärzte mit Sorge, dass wir ständig beduftet werden. Ich nenne das „Aromasmog“. Nicht nur in der Toilette überdecken die schicken Nachfolger des Klosteins jegliche natürlichen Gerüche. Im Auto pendeln Fichtennadel- Bäumchen aus Pappe. Durch das Schlafzimmer wabert vermeintlich beruhigendes Jasminbukett. Und beim Shoppen soll uns Zitrusduft in Kauflaune versetzen. Wussten Sie schon, dass manche Duftöle zu 90 Prozent aus Stoffen bestehen, die Allergien begünstigen können? Schon jetzt sind Aromen nach Nickel die häufigsten Auslöser von Kontaktallergien. Aber auch unser Riechsinn ist in Gefahr: Wenn die Nase ständig mit Duftmolekülen befeuert wird, sendet sie irgendwann nur noch starke Reize an das Gehirn, und wir nehmen feine Nuancen nicht mehr wahr.

Weil der Geruchssinn mit dem Geschmack gekoppelt ist, entgehen uns damit Gaumenfreuden. Und auch im zwischenmenschlichen Bereich funktioniert einiges schlechter. Es ist ungünstig, wenn wir unser Gegenüber im wörtlichen Sinn nicht mehr riechen können. Sympathie überträgt sich ja auch über den Geruch. Ihr Lieblingsparfum möchte ich Ihnen nicht madig machen. Aber ich bitte Sie, Ihrer Gesundheit zuliebe zumindest auf Duftbäumchen und Raumsprays zu verzichten. Öffnen Sie die Fenster und lassen Sie die frische und gesunde Frühlingsluft herein, wann immer Sie die Möglichkeit dazu haben.

 
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