Krebsvorsorge beim Frauenarzt

Frauenärztin Professor Marion Kiechle erklärt, welche Untersuchungen zur Krebsvorsorge wirklich wichtig sind.

Frauenärztin Krebsvorsorge beim Frauenarzt © istockphoto

Der regelmäßige Abstrich beim Frauenarzt ist mittlerweile schon Routine. Aber immer häufiger fällt jetzt ein neuer Begriff im Gespräch mit dem Gynäkologen: HPV-Test. Die meisten Kassen zahlen ihn nicht. Aber muss diese zusätzliche Untersuchung wirklich sein? Wir haben eine Expertin um ihre Einschätzung gebeten: Professor Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik am Münchner Klinikum Rechts der Isar.

FÜR SIE: Frau Professor Kiechle, viele Frauen sind zurzeit verunsichert, weil ihre Gynäkologen ihnen empfehlen, sich auf humane Papillom viren (HPV) testen zu lassen. Weil man das selbst bezahlen muss, fragen sich viele: Was sagt so ein Test aus?

Frau Professor Kiechle: Diese Viren kommen in rund 200 verschiedenen Varianten vor. Sie befallen Zellen von Haut und Schleimhäuten und können dort Gewebeveränderungen auslösen – warzenähnliche Gebilde, medizinisch Kondylome genannt. Nicht alle HPV-Typen sind gefährlich. Allerdings gibt es HP-Viren, die hochriskant sind, zum Beispiel HPV 16 und HPV 18. Diese beiden sind für etwa 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Aber auch Frauen, die mit einer von mehr als 20 weiteren HPV-Varianten infiziert sind, können aufgrund dieser Infektion bösartige Geschwulste entwickeln. Mit dem Test können wir relativ gut nachweisen, ob eine Frau mit HPV infiziert ist, und wenn ja, mit welchen Typen.

Sollte ich also die rund 100 Euro für den Test investieren?

Das kann man nicht pauschal beantworten. HPV ist weitverbreitet. Etwa 80 Prozent aller Frauen haben das Virus. Die Infektion kann zwar zu Krebs führen, sie muss es aber nicht. Außerdem kann man sich bei jedem Geschlechtsverkehr neu infizieren – noch nicht einmal Kondome schützen zuverlässig. Auch Männer sind HPV-Träger. Nach einer Studie, die Kolleginnen aus Florida kürzlich auf einem Fachkongress vorgestellt haben, hat mindestens jeder Zweite HPV und kann es weitergeben. Es kann beruhigend sein, wenn man erfährt, dass man keine HPV-Infektion hat. Umgekehrt bewirkt das Wissen, dass ein hochriskantes Virus im Körper ist, natürlich auch psychischen Stress für viele Frauen. Und es bedeutet eventuell, dass man häufiger zu Früherkennungsuntersuchungen gehen muss. Ob man sich dem aussetzen möchte – das muss jede Frau selbst entscheiden. Ein HPV-Test bietet keinen Schutz. Er bringt nur nähere Erkenntnis über das mögliche Krebsrisiko.

Den sogenannten Pap-Test, also den regelmäßigen Abstrich beim Frauenarzt, kann der Test also nicht ersetzen?

Nein, denn diese Untersuchung ist das einzige Instrument, das wir haben, um gegebenenfalls Krebs im frühen Stadium zu erkennen und rechtzeitig einzugreifen. Der Pap-Test rettet Leben.

Wie wird man die Viren denn wieder los?

Es gibt keine Therapie dagegen. Bricht die Infektion aus – etwa in Form der genannten Kondylome –, heilt sie zwar in vielen Fällen von allein ab. Aber manchmal schlummern die Viren im Körper und verursachen später einen neuen Ausbruch. Wir haben allerdings sehr gute Erfahrungen mit einer Impfung gegen HPV gemacht, die Mädchen vor dem ersten sexuellen Kontakt empfohlen wird. Leider lassen sich zurzeit nur etwa 25 Prozent der infrage kommenden jungen Frauen impfen. Das ist aus meiner Sicht sehr bedauerlich. Eine Ausweitung der Impfempfehlung auf Jungs ist ebenfalls sinnvoll. Das wurde kürzlich in einer großen Studie veröffentlicht. Denn Männer können nicht nur Überträger sein, sondern selbst auch aufgrund einer anhaltenden HPV-Infektion an einem Peniskarzinom erkranken.

Schützt die Impfung auch, wenn man bereits HPV hat?

Das hat man schon längere Zeit vermutet. Eine ganz neue Studie gibt jetzt sogar Gewissheit: Auch infizierte Frauen können von der Impfung profitieren. Die Impfung schützt zumindest vor weiterer Ansteckung – etwa durch einen neuen Sexualpartner. Die Studie zeigt zudem: Selbst Frauen, die wegen einer Krebsvorstufe operiert worden waren, hatten durch die Impfung deutlich seltener Rückfälle. Allerdings zahlen die meisten Krankenkassen die Impfung nach dem 17. Lebensjahr nicht, und sie ist mit rund 450 Euro relativ teuer.

 
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Autor:
Dagmar Metzger