Gesundheit

Können auch wir im Stehen schlafen?

Eulen schaffen das – warum also nicht auch wir? Sieben Fragen und Antworten aus dem Reich der Träume

Im stehen schlafen Können auch wir im Stehen schlafen? © Simon Bremner/ Digital Vision/ Thinkstock

Durchschnittlich 25 Jahre seines Lebens verbringt der Mensch im Bett – im Idealfall ganz bei sich, entrückt von der Welt, zufrieden schnorchelnd oder laut sägend. Denn: „Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung“, wie es der Dichter Heinrich Heine formulierte. Und doch gibt es noch jede Menge Rätsel, Mythen und Forschungsbedarf auf dem Schlummer-Sektor. Hätten Sie die Antworten auf diese Fragen gewusst?

„Können indische Yogis im Stehen schlafen?“

Diese Vermutung liegt nahe, wenn man einen indischen Yoga-Meister beobachtet, regungslos und tiefenentspannt. Doch so weit sich der Meditations-Profi im Geiste von der Außenwelt entfernen kann – in den Tiefschlaf gelangt er nicht. Menschen können im Stehen nur kurz einnicken. Weil im Schlaf unsere Körperspannung nachlässt, sacken wir dann unwillkürlich zusammen. Das weckt uns wieder auf. Anders bei Tieren: Eulen und Flamingos schlafen tatsächlich im Stehen, Albatrosse können’s sogar im Fliegen, Fledermäuse mit dem Kopf nach unten. Pferde können übrigens auch nur dösen, wenn sie stehen. Für echten Tiefschlaf müssen sie sich hinlegen.

„Ist der Schlaf vor Mitternachtder allerbeste?“

Dieser Mythos stammt aus einer Zeit, in der die meisten Menschen früh aufstehen mussten – etwa, um auf dem Bauernhof die Tiere zu füttern. Da war es sinnvoll, sie früh ins Bett zu schicken. Es stimmt zwar, dass die erholsamen Tiefschlafphasen im ersten Drittel der Nachtruhe besonders intensiv sind. Ob man das aber vor oder nach 24 Uhr legt, ist egal.

„Kann man sich kreativer schlafen?“

Das kann man tatsächlich, zeigten Studien aus den USA. Allerdings fliegen uns die besten Ideen nicht über Nacht zu, sondern tagsüber, nach einem ausgedehnten Nickerchen. „Wenn Sie zwischen 13 und 16 Uhr etwa 90 Minuten schlummern, also eine Tiefschlafphase durchleben“, erklärt Dr. Sara Mednick von der University of California, „schaltet das Gehirn auf Kreativität.“ Im Büro lässt sich das wahrscheinlich nicht einrichten. Aber gute Einfälle kann man ja auch am Wochenende brauchen.

„Ist es eine Schlafstörung, nachts aufzuwachen?“

„Überhaupt nicht“, sagt Schlafforscher Professor Jürgen Zulley von der Uni Regensburg. Jeder wacht im Schnitt 28-mal pro Nacht kurz auf. Wir bemerken es nur nicht, weil wir gleich wieder wegnicken. „Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass man sich an Schlafunterbrechungen, die kürzer als drei Minuten sind, am nächsten Morgen nicht erinnern kann“, so Professor Zulley. „Wir vergessen also, dass wir nachts kurz wach wurden. Deswegen gibt es Menschen, die glauben, sie würden durchschlafen.“ Nur wenn man sich ärgert, dass man aufgewacht ist, hält das weiter wach. Falls Sie es also bemerken, am besten entspannt bleiben, sich umdrehen und weiterratzen.

„Führt spätes Essen zu einer unruhigen Nacht?“

Nicht unbedingt. Denn Essen ist vor allem Gewohnheitssache. Wer also stets erst nach der Tagesschau zu Abend isst, wird deswegen keine Schlafprobleme bekommen. Nur wenn es sich um schwer verdauliche Speisen wie Schweinebraten mit Spätzle und Kohlgemüse handelt, kann die Verdauungsarbeit das Einschlafen behindern. „Zwischen solchen Mahlzeiten und dem Zubettgehen sollten idealerweise drei bis vier Stunden liegen“, rät Schlafexperte Professor Zulley.

„Wird man immer schläfriger, je später es wird?“

Nur wenn zum Beispiel die Party zum Gähnen ist oder man auf den Beginn des Spätfilms wartet. Unter Schläfrigkeit verstehen Experten einen Zustand, in dem man sehr schnell einschlafen kann. Von Natur aus sind wir so getaktet, dass wir diese Schlummerbereitschaft alle vier Stunden haben. Zum Beispiel auch zur Mittagszeit. Aber selbst wenn man dann keine Siesta macht, nimmt die Schläfrigkeit wieder rasch ab. Und steigt in den folgenden vier Stunden langsam erneut an. Mit der Müdigkeit verhält es sich anders. Sie hat etwas mit Mattigkeit und Schlappheit zu tun. Dieses Gefühl kann auch durch Stress oder Langeweile entstehen. Falls man sich auf einer Party prächtig amüsiert, hält man sogar die ganze Nacht durch, ohne schläfrig zu werden.

„Machen alle Schlafmittel abhängig?“

Chemische Schlafmittel, zum Beispiel die sogenannten Benzodiazepine, greifen in die Hirnchemie ein und haben zumindest einen Gewöhnungseffekt. Zudem gibt es Hinweise, dass sie die Krebsgefahr erhöhen können. Deshalb sollte man sie nur in Absprache mit einem Arzt nehmen. Bei pflanzlichen Mitteln wie etwa Baldrian bestehen diese Gefahren aber nicht. Studien belegen, dass die schlaffördernde Wirkung von Baldrianextrakt mit der von chemischen Mitteln vergleichbar ist. Allerdings sollte das Mittel hoch dosiert sein. Die Forscher raten zu einer Dosis von 600 Milligramm pro Tablette oder Dragee (wie etwa im rezeptfreien „Nervenruh Baldrian Forte 600“ aus der Apotheke). Sind Überforderung und Stress Ursache von Schlafproblemen, lohnt es sich, auch mal sanfte homöopathische Mittel auszuprobieren (z.B. „Neurexan“, rezeptfrei, Apotheke).

 
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Autor:
Dagmar Metzger