Die Wahrheit über Antibiotika

Sie sind stark und wichtig. Aber wie verwendet man sie eigentlich richtig?

Antibiotika Die Wahrheit über Antibiotika © istockphoto

Sie retten seit Jahrzehnten Leben

Die Anti-Bakterien-Mittel sind Lebensretter. Etwa bei Lungen- und Hirnhautentzündungen, aber auch bei Tuberkulose gibt es keine Alternativen. Die Gefahr: Nimmt man Antibiotika zu oft oder falsch ein, können Krankheitserreger dagegen unempfindlich („resistent“) werden.

Sie wirken am besten, wenn man sie richtig einnimmt

Nur wenn die Bakterien der Arznei lange genug ausgesetzt sind, wird man sie los. Deshalb ist es wichtig, die Einnahmeabstände genau einzuhalten. So bedeutet „zweimal täglich“, dass zwischen zwei Einnahmen zwölf Stunden liegen sollten. Schlucken Sie die Mittel immer so lange, wie der Arzt es verordnet hat, selbst wenn Sie sich schon wieder gesund fühlen. Bei der Lagerung auf den Beipackzettel achten: Manche Kapseln und Tabletten kann man bei Zimmertemperatur aufbewahren. Andere müssen in den Kühlschrank.

Ein Test verrät, ob man sie braucht

Da Antibiotika nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren helfen, sind sie bei Erkältungskrankheiten oft wirkungslos. Der Arzt kann sowohl im Labor („PCTTest“) als auch per Schnelltest herausfinden, ob man bakterielle Erreger im Körper hat. Allerdings muss man die rund 25 Euro dafür selbst zahlen. Eine Anti- biotika-Alternative bei Erkältung, die auch gegen Viren hilft, ist zum Beispiel „Umckaloabo“. Das kann man sogar ohne Rezept in Apotheken kaufen, und es ist auch für Kinder geeignet.

Frauen gehen sorgsamer mit ihnen um

Tag für Tag verschreiben zwei Drittel aller deutschen Ärzte mindestens einem Patienten die Bakterienkiller. „Viele dieser Verordnungen sind unnötig“, kritisiert Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Manche Kollegen nehmen sich nicht genug Zeit, um zu prüfen, ob es nicht auch ohne Antibiotika geht.“ Eine Umfrage des Robert-Koch- Ins tituts zeigte: Es macht einen Unterschied, ob man bei einer Frau oder einem Mann in Behandlung ist. Ärztinnen stellen nämlich weit seltener als ihre männlichen Kollegen ein Antibiotikum-Rezept aus.

Wer erfand das Wundermittel?

Schon 1893 entdeckte der Mikrobiologe Bartolomeo Gosio Stoffe aus Schimmelpilzen, die gegen Bakterien wirken. Doch die Welt erfuhr nichts von diesen Ur-Antibiotika. Denn der Italiener veröffentlichte seine Aufsätze darüber nur in seiner Muttersprache. Daher wird als Erfinder des Antibiotikums meist der französische Militärarzt Ernest Duchesne genannt. Er schrieb 1897 seine Doktorarbeit über die antibakterielle Eigenschaft von Schimmel-Lösungen. Mit ihnen hatte er Typhus bei Meerschweinchen geheilt.

Der deutsche Arzt Paul Ehrlich entwickelte 1910 das erste antibiotische Mittel für Menschen. Er behandelte damit die Geschlechtskrankheit Syphilis. Allerdings war die Grundlage seines Medikaments eine Arsenverbindung. Streng genommen zählen zu den Antibiotika nur Substanzen, die aus natürlichen Stoffwechselprodukten von Pilzen und Bakterien hergestellt werden. So kam ein vierter Wissenschaftler zu der Ehre, als Antibiotika-Erfinder 1945 den Nobelpreis zu bekommen: Der schottische Bakteriologe Sir Alexander Fleming stellte 1929 das erste „Penicillin“ her. Dieser Klassiker wirkt gegen eine ganze Reihe von krank machenden Bakterien und ist heute noch auf dem Markt.

 
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Autor:
Dagmar Metzger