Sehnsucht nach Stille Hilfe bei Tinnitus

Bei jedem piept oder zischt es ab und an mal in den Ohren. Gefährlich ist es erst, wenn die Geräusche dauerhaft und quälend werden. Warum besonders Frauen betroffen sind und welche Therapien helfen

Hilfe bei Tinnitus Hilfe bei Tinnitus © Lev Dolgatsjov-fotolia

Nervige Ohrgeräusche – Pfeifen, Brummen, Klingeln, Sausen, Zischen, Knacken oder Rauschen. Der Selbsthilfeorganisation Deutsche Tinnitus Liga zufolge leiden drei Millionen Deutsche unter Tinnitus – das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Klingeln“. Die Geräusche können ein- oder beidseitig auftreten, laut oder leise sein. Meist stören sie nur kurz. Manchmal nisten sie sich ein, halten längere Zeit an und verschwinden dann wieder. Aber sie können auch für immer bleiben. Der Leidensdruck ist unabhängig von der Intensität. Viele können gut mit den Tönen leben, ein knappes Drittel empfindet sie als Belastung, ein weiteres Drittel treiben sie an den Rand des Wahnsinns. Die Patienten können nicht schlafen, sich nicht konzentrieren, werden depressiv, manche berufsunfähig.

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DIE TÖNE IM OHR SIND SIGNAL FÜR JAHRELANGEN STRESS

Meist tritt das Pfeifen oder Rauschen erstmalig zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Frauen sind öfter betroffen als Männer, gehen aber seltener zum Arzt. Das liegt daran, dass sie dazu neigen, die Ohrgeräusche zu bagatellisieren. Ein Fehler, denn je früher ein Tinnitus diagnostiziert und fachgerecht behandelt wird, umso besser sind die Aussichten auf Heilung oder zumindest Linderung. Sehr häufig sind die Töne im Ohr in der Lebensmitte das Signal „Es reicht!“. Eine Antwort auf jahrelange Beanspruchung durch Beruf und Familie. Besonders stark gefährdet sind Lehrerinnen. Doch auch jeder andere Job, Arbeitslosigkeit, Geldprobleme, private und berufliche Sorgen können das Stresskonto überquellen lassen – mit Tinnitus als Folge. Unser Ohr ist das empfindlichste Sinnesorgan und ständig auf Empfang geschaltet. Es muss mit immer mehr und lauterem Umweltlärm zurechtkommen. Psychische Belastung überreizt die Sinne zusätzlich. Sie verstärkt die Ohrgeräusche und trägt dazu bei, dass sie unter Umständen über Jahre erhalten bleiben.

Neuere Forschungen haben gezeigt, dass bei Tinnitus das Zusammenspiel zwischen Innenohr und Gehirn gestört ist. Ein bestimmtes Gehirnareal ist dauerhaft angeregt. Das lässt sich in bildgebenden Verfahren nachweisen. Normalerweise blendet das Hirn bedeutungslose Laute aus. Bei Tinnitus-Patienten erreichen sie jedoch das Bewusstsein und werden zum quälenden Begleiter. Als organische Auslöser kommen ein Hörsturz, akute und chronische Lärmschäden oder der natürliche Verschleiß des Gehörs in Betracht – 25 Prozent der über 40-Jährigen haben ein reduziertes Hörvermögen. Auch Durchblutungsstörungen, Probleme mit der Halswirbelsäule und im Zahn-Kiefer-Bereich sind oft von einem Tinnitus begleitet.

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Autor:
Uta König