Erhöhtes Herzinfarkt-Risiko für Frauen Herzinfarkt-Risiko bei Frauen

Weil die Symptome eines Infarktes bei Frauen andere sind als bei Männern, werden sie oft falsch gedeutet. Von den Betroffenen und sogar von Ärzten

Herz Herzinfarkt-Risiko bei Frauen © Patryk Kosmider - iStockphoto

Was damals geschah, wissen nur ihre engsten Freunde. Mit niemandem sonst hat sie darüber geredet: Zu sehr hat der Herzinfarkt sie verunsichert, ihr Selbstbewusstsein erschüttert. „Ich fühle mich seither, als gehörte ich zum alten Eisen“, sagt Britta Ahrens. Dabei ist die Hamburgerin erst 54, schlank, sportlich. Ihren richtigen Namen möchte die Verwaltungsangestellte auch nicht nennen. Schämt sie sich etwa für ihren Infarkt? Sie überlegt einen Moment lang: „Es ist unsinnig. Aber wenn ich ehrlich bin, lautet meine Antwort: Ja.“

KENNEN SIE DIE ANZEICHEN?

Dabei könnte Britta Ahrens eigentlich von ihrem Glück sprechen – sie hatte nur einen leichten Infarkt: „Ich habe ihn nicht einmal richtig gemerkt“, sagt sie. Es passierte im Sommer vor zwei Jahren. Tagelang ging es Britta Ahrens schlecht. „Mir war übel, ich hatte Krämpfe, ich fühlte mich matt und angeschlagen.“ Sie tippte damals auf einen Magen-Darm-Infekt, nicht im Traum hätte sie an einen Herzinfarkt gedacht. Wie auch? Es deutete ja nichts auf eine wirklich lebensgefährliche Erkrankung hin. Erst als die Beschwerden nicht nachließen, drängte ihre Hausärztin sie zu einem Belastungs-EKG. „Die Diagnose traf mich völlig unvorbereitet.“ Denn die Anzeichen hätte sie nie mit einem Herzproblem in Verbindung gebracht. „Bei meinem Mann hätte ich einen Infarkt erkannt.“

Wie der Hamburgerin geht es vielen Menschen – und sogar Medizinern: Sie deuten die weiblichen Symptome falsch. Denn tatsächlich kündigt sich bei Frauen ein Herzinfarkt häufig anders an als bei Männern. Werden jedoch Warnsignale wie Übelkeit oder Atemnot nicht erkannt, vergeht oft kostbare Zeit: Im Schnitt kommen Patientinnen mit Herzbeschwerden 90 Minuten später in eine Klinik als Männer. Der Infarkt fordert daher mehr weibliche Opfer als Brustkrebs: 2008 waren es laut Statistischem Bundesamt 28 604 Frauen gegenüber 17 104, die an den Folgen von Brustkrebs starben. Insgesamt sinkt in Deutschland zwar die Infarktgefahr. Doch die Bevölkerungsgruppe, für die das Risiko weiter steigt, sind Frauen unter 55 Jahren.

 

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Autor:
Bruntje Thielke