Alternative Medizin
Glatter Erfolg: Botox als Medizin
Die Anti-Falten-Spritze macht Karriere: Botox gilt als neue Wunderwaffe bei vielen Leiden – von Krämpfen bis zur chronischen Migräne.
Wir kennen Botox bisher hauptsächlich als Mittel zur Bekämpfung der Zornesfalte, die sich im Lauf der Jahre zwischen den Brauen eingräbt. Wenn ein Könner am Werk war, sieht man nach der Behandlung einfach nur frischer, glatter und gut erholt aus. Wird Botox von ungeübten und wenig sensiblen Ärzten nach dem Motto „Viel hilft viel“ verabreicht, wirkt die obere Gesichtshälfte mangels Mimik maskenhaft – es entsteht ein irritierender Ausdruck ständiger Überraschung. Wirklich überraschend dürfte für viele allerdings sein, dass Botulinumtoxin („Botox“ ist nur einer von mehreren Markennamen) nicht nur Falten glättet, sondern auch als ernstzunehmendes Arzneimittel immer größere Bedeutung erlangt. In jüngster Zeit wurden viele neue Anwendungsmöglichkeiten entdeckt. Bei Muskelkrämpfen, krankhaftem Schwitzen oder Zähneknirschen wird es bereits mit Erfolg eingesetzt.
Erste Anwendung auf Augenhöhe
Botulinumtoxin ist ein Bakteriengift. Früher, als es noch keine Kühlschränke gab und die Lebensmittelhygiene oft mangelhaft war, kam es vor allem in verdorbenen Wurstwaren vor und führte zu schlimmen Vergiftungen. In den 1970er Jahren startete das Botulinumtoxin seine Karriere in der Medizin. Der Augenarzt Dr. Alan Scott aus San Francisco suchte nach einem Mittel gegen das Schielen. Seine Theorie: Eine winzige Dosis Nervengift könnte den Muskel lähmen, der das schielende Auge nach innen zieht. Ein Biochemiker, der gerade gereinigtes Botulinumtoxin für mögliche militärische Zwecke entwickelt hatte, schickte Dr. Scott eine Probe – und es funktionierte. 1989 wurde „Oculinum“, wie Dr. Scott sein Medikament nannte, von den US-Behörden als Mittel gegen Schielen und Lidzucken offiziell zugelassen. Zwei Jahre später kaufte die Firma Allergan das Medikament und vertrieb es unter dem Markennamen „Botox“. Durch die Anwendung in Augennähe fand man bald heraus, dass Botox – praktisch als Nebenwirkung – zu einer Faltenglättung führte. Damit begann der unaufhaltsame Aufstieg von Botox als „Anti-Falten-Spritze“.



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