Tipps Gesund trotz Stress

Fast jeder hat einen empfindlichen Punkt, eine kleine Schwachstelle, die sich bei seelischen Belastungen bemerkbar macht. Wie können wir am besten vorbeugen?

Gesund trotz Stress © iStockphoto

Über Wochen hetzen wir von Termin zu Termin, die Zeit ist knapp, der Druck hoch. Und irgendwann spielt der Körper nicht mehr mit, er protestiert. Während manche bei viel Stress sofort ihren Magen spüren, leiden andere rasch unter Verspannungen oder erkälten sich. Trotzdem ziehen Stressreaktionen bei jedem Menschen durch den ganzen Körper. Doch warum ziept es dann immer nur an der einen Stelle, warum spürt jeder die Folgen längerer Anspannung auf seine ganz persönliche Weise?

Buch-Tipp

„Körperwissen – Entdecken Sie Ihre innere Welt“ von Marion Grillparzer. Eine anschauliche Entdeckungsreise in unseren inneren Kosmos – zu den wichtigsten Organen und Organsystemen. (GU, 384 Seiten, 19,90 Euro)

Die Gene spielen eine große Rolle Zum Teil ist es Veranlagung, welche Körperpartien stärker reagieren; genauso wie es generell genetisch bedingt ist, wie gut wir Stress wegstecken. Dr. Elisabeth Rauh, Psychosomatikerin und Chefärztin an der Schön Klinik in Bad Staffelstein, nennt es auch ein Aufmerksamkeits-Phänomen: „Wer schon weiß, dass er leicht Rückenschmerzen bekommt, wird jedes neue Signal vom Rücken ängstlicher bewerten.“ Durch die Konzentration darauf empfinden wir die Beschwerden stärker. Gerade bei Frauen schürt Stress Gefühle wie Angst, die dann noch mehr unter Stress setzen. „Was hilft, ist, diese Gedanken zu unterbrechen, zu überlegen, wie man sich entlasten kann“, so Dr. Rauh. Generell wirken alle Entspannungstechniken vorbeugend gegen Stress – oder einfach nur Relaxrituale wie eine halbe Stunde in der Badewanne liegen. Was Ihre persönliche Schwachstelle außerdem stärkt, lesen Sie hier.

ATEMWEGE

Anhaltender Stress schwächt nachweislich das Immunsystem, und Viren haben dann leichtes Spiel. Zu wenig Schlaf und Bewegung tun ihr Übriges, den Körper auszubremsen. Dann bleibt eine simple Erkältung womöglich nicht auf die Nasenschleimhäute beschränkt, sondern die Erreger wandern auch in die Nasennebenhöhlen und Bronchien. Beste Art, vorzubeugen: Versuchen Sie, die tägliche Virendosis zu verringern, etwa indem Sie mit dem Fahrrad fahren statt im überfüllten Bus und oft die Hände waschen. Um generell robuster zu werden, helfen Sport, ein normales Körpergewicht, gesundes Essen und Verzicht auf Nikotin.

GEHÖR

Viele haben mal einen Ton im Ohr – ein Pfeifen oder Rauschen, das wieder verschwindet. Bei etwa vier Prozent der Menschen bleibt es aber. Der sogenannte Tinnitus entsteht etwa durch Schäden in der Hörbahn, ausgelöst zum Beispiel durch Lärm. Wie stö rend er ist, hängt davon ab, wie gut man ihn ausblenden kann und wie gestresst man ist. Ein harmloser Ton kann schnell als bedrohlich erlebt werden und verstärkt sich so. Beste Art, vorzubeugen: Reizüberflutung meiden. Nur Musik hören, die man mag. Ist der Tinnitus erst da, helfen oft nur Therapien, bei de nen man Entspannung lernt – und bewusstes Weghören.

HAUT

Ärger macht Pickelchen. Dass Haut und Psyche eng zusammenhängen, ist seit Langem bekannt, viele Details dazu sind jedoch noch unerforscht. Eine Studie zeigte, dass bei Stress die Menge antimikrobieller Substanzen rapide abnimmt – der Schutzschild der Haut also geschwächt wird. Stress wirkt auch ungünstig bei vererbten Leiden wie Schuppenflechte oder Neurodermitis. Beste Art, vorzubeugen: Entspannungsverfahren wie autogenes Training sorgen für Linderung. Ganz verschwinden können rein stressbedingte Beschwerden wie Juckreiz sogar, wenn man Relaxen regelmäßig trainiert. Lassen Sie sich außerdem bei der Hautpflege von Fachleuten beraten.

MAGEN

Der Bauch schmerzt, uns ist richtig übel – wir haben keinen Appetit oder Probleme mit der Verdauung. Dass Stress schnell auf den Magen schlägt, haben die meisten schon einmal erlebt. Ein Grund dafür: Gehirn und Darm erhalten beide Botschaften durch die gleichen Hormone und das Nervensystem. Beste Art, vorzubeugen: Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen, nicht zu scharf essen, auf Koffein und Alkohol verzichten, viel trinken und sich regelmäßig bewegen. Bei häufig wiederkehrenden Magenbeschwerden unbedingt zum Arzt gehen, um eine ernste Erkrankung auszuschließen.

RÜCKEN

Drei Viertel aller Menschen in Deutschland leiden mindestens einmal im Leben an Rückenschmerzen. Meist kommen dabei mehrere Dinge zusammen: körperliche Belastung, etwa durch eine falsche Haltung, sowie Stress und Überforderung. Die Muskeln verspannen und können in der Nähe liegende Nerven reizen. Beste Art, vorzubeugen: regelmäßiges Schwimmen, Spazierengehen oder Radfahren und ein guter Schreibtischstuhl. Bei chronischen Beschwerden hilft eine Rückenschule (Krankenkasse fragen). Aber auch eine Ver haltenstherapie, bei der man lernt, Angewohnheiten, die zu den Verspannungen führen, zu ändern.

UNTERLEIB

Schon wieder eine Blasenentzündung? Brennende Schmerzen, Druckgefühl, Harndrang – Frauen mit geschwächtem Immunsystem erwischt es besonders häufig. Nach Dauerstress oder Verkühlungen schafft es die Abwehr nicht mehr, Keime und Bakterien zu bekämpfen (oder auch nach Sex). Beste Art, vorzubeugen: Unterleib und Füße immer warm halten, außerdem viel trinken (täglich zusätzlich 3 Liter Kräutertee oder Wasser) und nach dem Sex auf die Toilette gehen. So werden die Erreger aus dem Körper geschwemmt. Vorbeugen kann auch Cranberry-Saft (Apotheke), denn er enthält keimtötende Substanzen.

 

 
Autor:
Natalie Rösner