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Ich habe meinen Smiley gefunden

Deutschlands bester Stress-Test. FÜR SIE-Gesundheits-Chefin Dagmar Metzger fand heraus, was sie wirklich aus der Ruhe bringt.

Stress bewältigen Ich habe meinen Smiley gefunden © mark wragg/Thinsktock

Atmen, ganz tief atmen. Ausblenden, dass der Dioden-Kranz um meinen Kopf auf mein linkes Ohr drückt. Lächeln. In Gedanken auf die einsamste Insel der Welt reisen – inklusive Schattenplätzchen unter einer Palme. Aber nichts bringt den glubschäugigen Kugelkopf, den ich mit meinen Hirnwellen steuere, zum Grinsen. Hightech zaubert ein Abbild meiner Gefühlslage auf den Bildschirm, und wenn ich entspannt wäre, würde er lachen. Tut er aber nicht. Schmallippig glotzt er auf mich herunter. Und es kommt noch schlimmer. Ich fange an, sauer zu werden. Nun verzieht er seinen Mund, als würde er gleich anfangen zu heulen. „Stellen Sie sich doch mal vor, Sie würden ihm eine reinhauen“, sagt Professor Christoph Bamberger. „Klatsch!“ Das wirkt – durch die virtuelle Backpfeife ziehen sich die Mundwinkel des Computerheinis immerhin einen Tick nach oben.

Ein erster Hinweis auf meinen Stressabbau. Im Medizinischen Präventionscentrum Hamburg fahndet Professor Bamberger mit modernsten Methoden nach meinen Stressauslösern und den optimalen Bewältigungsstrategien. Die erste Überraschung: Eigentlich fühle ich mich rundum entspannt. Der Job macht Spaß, zu Hause läuft alles bestens, und ich gehe regelmäßig zum Yoga. Klar, manchmal komme ich in Zeitdruck. Aber da bleibe ich gelassen, oder? Das Neuro-Biofeedback-Gerät mit dem Smiley lässt sich nicht täuschen. Als mich der Stress-Experte mit Mathe-Aufgaben unter Druck setzt, fangen nach einer Weile meine Nerven an zu vibrieren. Und sind durch meine üblichen Relax-Taktiken auch nicht zu beruhigen. Um genauer zu erforschen, was mich nervös macht, erstellt der Experte eine „Mental-Status-Anamnese“. Mit diesen 25 Fragen kann er außerdem herausfinden, ob mein Stress schon an meiner Gesundheit nagt. Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme, aber auch das Gefühl von Langeweile oder Selbstzweifeln beispielsweise lassen Rückschlüsse zu, wie stark ein Zuviel an Stresshormonen den Körper schwächt.

Stress messen

Auf dem Bildschirm kann Professor Bamberger meine Hirnströme verfolgen, während er mich mit Mathe-Aufgaben unter Druck setzt. 

Meine Punktzahl liegt nur knapp im grünen Bereich. Ein weiteres Indiz, dass sich meine Entspannungsfähigkeit verbessern lässt, ergibt die Messung der Hautleitfähigkeit an meinen Fingern. Minimale Schweißabsonderung zeigt, welche Situationen mir unter die Haut gehen. Professor Bamberger bittet mich dabei, von meinem Alltag zu erzählen – vom Schlangestehen beim Bäcker über die Textabgabe im Büro bis zur Begegnung mit dem unfreundlichen Nachbarn am Abend. Dann gibt er mir eine Packung Teströhrchen mit nach Hause. Alle vier Stunden soll ich auf einem der fünf Wattebäusche herumkauen und notieren, was den Tag über passiert ist. Im Labor wird dann die jeweilige Menge des Stresshormons Cortisol bestimmt. Das Resultat aus all diesen Daten hätte ich nicht erwartet: Nicht die vielen Stunden am Schreibtisch machen mich mürbe, sondern die scheinbaren Kleinigkeiten zuvor und danach. Zum Beispiel die Telefonate mit meiner Freundin Denise. Sie hat nicht nur das Talent, immer in dem Moment anzurufen, wenn’s abends Essen gibt. Seit Wochen jammert sie zudem über ihre Figur, während sie hörbar Kartoffelchips mampft. Mein Cortisol-Spiegel – normalerweise sollte er morgens höher als abends sein – erreicht dabei Maximalwerte. Stresshormone haben mich auch durchflutet, als ich entdeckt habe, dass der Unsympath von gegenüber mal wieder meine Garage blockiert hat.

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