FÜR SIE Vertrauensärzte

Frauen in den Wechseljahren

Professor Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln, wirft einen Blick auf die Wechseljahre. Alles gar nicht so schlimm!

Wechelsjahre Frauen in den Wechseljahren © Ralf Nau/Digital Vision/Thinkstock

Der Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln, Ingo Froböse, gehört zu den bekanntesten deutschen Ratgeber-Autoren. Sein neues Buch „Ist es wahre Leidenschaft … oder nur erhöhter Blutdruck?“ ist gerade im Bastei Lübbe Verlag erschienen (8,99 Euro)

Ganz im Süden Kameruns leben die Beti-Frauen. Sie streben nach Höherem und freuen sich darauf, die Grenze zur 50 zu überschreiten. Denn dann erleben diese Frauen den Eintritt in eine „zweite Pubertät“, in Deutschland meist schlicht mit „Wechseljahren“ umschrieben. Die Beti-Frauen beginnen dann jenen Lebensabschnitt, in dem sie endlich Zugang zum höchsten Status und zur höchsten Anerkennung finden. Denn von da an werden sie gesellschaftlich dem Mann gleichgestellt. Auch in vielen anderen Kulturen wird der hormonelle Wandel als Chance für einen Eintritt in eine neue Lebensphase betrachtet.

Wechseljahre=Krankheit?

Anders bei uns, wo er zu einer „Krankheit“ wird. Von diesem Zeitpunkt an gelten Frauen – und übrigens auch Männer – bei vielen als ausgelaugt und sollen aus gelebt haben. Was für ein Quatsch, oder? Schauen wir doch mal genauer hin. Medizinisch erwiesen ist: Die Wechseljahre bedeuten niemals das Ende des Frau- oder Mannseins. Und es sind gar nicht nur die Hormone für die eventuell als negativ empfundenen Veränderungen verantwortlich. Haben Sie also bitte keine Angst vor möglichen Symptomen wie Hitzewallungen, nächtlichen Schweißausbrüchen, Blasenschwäche oder nachlassender Lust auf Sex. Denn all diese Dinge müssen sich nicht zwangsläufig einstellen, und oft äußern sie sich nur minimal.

Hormonersatztherapie

Etwas mehr Angst vor den Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie wäre jedenfalls um einiges berechtigter. Um besagte Beschwerden zu lindern, verordnen Gynäkologen nämlich immer noch gern Hormonpräparate. Die Inhaltsstoffe entsprechen allerdings in ihrer Zusammensetzung in keiner Weise den körpereigenen Hormonen. Problematisch daran ist, dass man häufig versucht, die einen Beschwerden zu bekämpfen, ohne zu merken, dass damit andere Leiden provoziert werden. Gerade künstliche Gestagene sind mitverantwortlich für viele Nebenwirkungen, zu denen etwa Schlaflosigkeit, Flüssigkeitseinlagerungen, Migräne und Depressionen zählen. Noch schlimmer sieht es mit möglichen Langzeitfolgen aus. Inzwischen werden immer mehr Details darüber bekannt. So zeigt die Forschung, dass Brustkrebs in und nach den Wechsel - jahren in 30 Prozent aller Fälle vermieden werden kann – und zwar durch den Verzicht auf diese Mittel.

Ähnliches gilt für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bewegung dagegen reduziert die Gefahr. Und das muss nicht zwangsläufig ein bestimmter Sport sein, denn auch Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen summieren sich. Vielleicht denken Sie einmal daran zurück, wie es Ihnen ergangen ist, als Sie als Teenager in die Pubertät kamen: Chaos im Gehirn, entgleiste Gefühle, Pickel im Gesicht … Damals haben Sie diese Phänomene als langersehnten Schritt zum Erwachsensein verstanden. Haben Sie jemals daran gedacht, das mit Medikamenten zu bekämpfen? Warum also sollten Sie es jetzt tun?

 
Schlagworte: