Forschung Brustkrebs: neue Leitlinien, die besten Chancen

Die richtige Brustkrebs-Therapie kann Leben retten. Für die bestmögliche Diagnose, Behandlung und Nachsorge fassen neue Leitlinien den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen.

Brustkrebs: neue Leitlinien, die besten Chancen Brustkrebs: neue Leitlinien, die besten Chancen © Uwe Grötzner-Fotolia

Nichts überstürzen, sich gut informieren – nach der Diagnose Brustkrebs fällt das schwer. Aber etwas Zeit für die Auswahl des Mamma-Zentrums und der richtigen Therapie kann über Leben und Tod entscheiden: Das zeigte ein Forschungsprojekt an der Uniklinik Ulm. Es untersuchte die Krankheitsverläufe von über 6000 Frauen mit der Frage: Welchen Einfluss hat eine Therapie nach den neuesten wissenschaftlichen Standards, die in sogenannten Leitlinien festgelegt sind? Das Ergebnis: Von den Patientinnen, die nach den Leitlinien behandelt wurden, lebten nach fünf Jahren noch 90 Prozent. Von denjenigen, deren Behandlung von den Leitlinien erheblich abwich, nur 55 Prozent! Die Leitlinien werden laufend erneuert. Wir sprachen mit Professor Dr. Rolf Kreienberg, unter dessen Federführung die neuen Leitlinien entstanden.

Schränken Leitlinien nicht zu sehr die Therapiefreiheit ein?

Leitlinien zeigen einen Behandlungskorridor auf, von dem viele Türen abgehen. Sie sind weder Handlungsanweisungen noch Rezepte und nehmen dem Arzt nicht die Verantwortung ab. Übrigens bekommen bislang nur 70 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen eine Behandlung nach den Leitlinien. 30 Prozent werden anders behandelt, auf Wunsch der Patientin, weil sie die Chemo- oder Strahlentherapie nicht verträgt oder wegen einer zusätzlichen Erkrankung.

Die ersten Brustkrebs-Leitlinien stammen von 2004. Was wurde jetzt aktualisiert?

Zwischen 2003 und 2006 gab es mehr als 10 000 neue wissenschaftliche Veröffentlichungen. 243 waren so fundiert, dass sie in die neuen Leitlinien einflossen. Außerdem wurden in den letzten Jahren neue zytostatisch wirksame Substanzen zugelassen, die zunehmend Bedeutung bekommen, etwa die Antikörper-Therapie mit Herceptin oder gut wirksame Aromatase-Hemmer, die Tamoxifen weitgehend abgelöst haben. Neue Dosierungsmöglichkeiten und Kombinationen, etwa aus Chemo- und Antikörper- Therapie, erweitern das Therapiespektrum. Die Indikationen für die Strahlentherapie haben sich erweitert, Bestrahlung wirkt zielgerichteter und verträglicher. Auch die neuesten Leitlinien werden schnell überholt sein. Ansätze sehe ich in neuen Antikörpern und kleinen Molekülen, die die jetzige Form der Chemotherapie unterstützen oder sogar ersetzen. Bereits unterwegs sind vielversprechende Studien zur Strahlentherapie während der OP.

Das bundesweite Mammografie-Screening ist realisiert. Kommt es dadurch auch zu Fehldiagnosen?

Noch vor wenigen Jahren kam es relativ häufig zu falsch positiven Befunden. Das hatte schmerzhafte Folgen, denn Biopsien wurden als offene Operationen durchgeführt. Heute sind die Röntgengeräte besser, die Bilder werden unabhängig voneinander von zwei Experten begutachtet, eventuell wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Im Zweifel wird eine Stanzbiopsie vorgenommen. Dieser Eingriff ist kurz und schmerzarm.

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Autor:
Uta König