Wo Füße fühlen lernen Barfußpfade

Wer über Kiesel stakst und durch kalte Bäche watet, bringt seinen Kreislauf in Schwung – und erlebt sinnliche Momente

Bafuß Barfußpfade © Rhonda Suka - iStockphoto

Ohne Schuhe und Strümpfe sind wir ja eher selten unterwegs. Höchstens morgens, vom Bett zur Dusche. Wobei empfindliche Menschen auch für diesen Weg lieber in ihre Pantoffeln schlüpfen. Wir haben Gummischlappen fürs Schwimmbad und die Sauna (Fußpilz!), Clogs für den Garten (Wespen! Zecken!), Flipflops für den Strand (Muscheln! Quallen! Teer!) – und so schon ganz vergessen, wie schön es sein kann, mit den Füßen zu fühlen. Kitzelndes Gras. Samtenen Waldboden. Von der Sonne gewärmten Asphalt. Das streichelt die Sinne, und gesund ist es obendrein. Zum Glück gibt es immer mehr Barfußpfade, auf denen sich Füße mal wieder richtig austoben können.

Barfußpfade, das sind angelegte Wege mit wechselndem Belag: Rindenmulch zum Beispiel, Kieselsteine, Torf, Heidekraut, Waschbeton, Glas, eiskaltes Bachwasser oder knöcheltiefer Schlamm.

Kinder laufen begeistert mit

Mehr als 50 solcher Pfade gibt es in Deutschland. Viele gehören zu Freizeitparks oder beliebten Ausflugszielen im Grünen, denn Barfußlaufen ist vor allem ein großer Spaß. Kinder, die sonst nur maulend auf Spaziergängen mittrotten, sind sofort mit Begeisterung dabei. Und zeigen den Erwachsenen dann, was echte Indianerfüße sind. Je unbekannter der Untergrund, desto spannender. Und wenn das Stück mit den (unter uns: abgerundeten) Scherben kommt, jauchzen sie erst recht.

Doch auch wer den Kinderschuhen längst entwachsen ist, kann auf den Barfußpfaden wunderbare Momente erleben. Piksen, kribbeln, prickeln – man muss dauernd kichern, das ist fast wie Sekttrinken. Barfußlaufen macht munter und regt den Kreislauf an, das wusste schon Pfarrer Kneipp. Der Wasserdoktor schickte seine Patienten im 19. Jahrhundert allerdings nicht über Stock und Stein, sondern nur zum Tautreten auf die feuchte Wiese.

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