Muskeln durch Strom

Sporttrend: EMS

Es brizzelt und kitzelt, der Körper kommt in Topform. Susanne Kaloff hat den neuen Sporttrend EMS probiert.

EMS Sporttrend: EMS © 25minutes - EMS Studio Hamburg

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: fit und straff werden, ohne dass man stundenlang durch den Wald joggt oder Hanteln im Studio stemmt. EMS (Elektro-Muskelstimulation) heißt das neue Wundertraining, und es soll meinen Körper in Rekordtempo (exakt 20 Minuten) in Form bringen. Das Probetraining kostet 25 Euro – das gönne ich mir.

Das Erste, was ich beim Betreten des Studios höre, ist ein lautes Stöhnen. Es kommt von einem Typen, der gerade eine Kniebeuge macht und in seinem knallengen Sportanzug aussieht wie ein Ninja Turtle. Carsten Pachnicke, Geschäftsführer von 25 Minutes in Hamburg und spezialisiert auf EMS, empfängt mich und erklärt mir den Weg zur Umkleide. Dort soll ich mich bis auf den Slip aus- und eine Radlerhose samt Top und Weste anziehen. Das leitet den Strom optimal. Die Muskelstimulation mit Hilfe elektrischer Signale soll den Rücken stärken, Gewicht reduzieren, die Ausdauer verbessern und Muskeln aufbauen. Das alles mit einem minimalen Aufwand: Maximal zweimal die Woche darf trainiert werden. Fünf Minuten Vorbereitung (ausziehen, umziehen, verkabeln), 20 Minuten Workout. Kurz: 40 Minuten Sport pro Woche.

Und das soll tatsächlich funktionieren? Ich bin skeptisch: Während beim herkömmlichen Training im Fitness-Club die Muskeln über elektrische Signale vom Gehirn gesteuert werden, um eine Kontraktion und somit eine Bewegung auszulösen, erhält die Muskulatur bei EMS elektrische Impulse von außen. Das Ergebnis ist eine Muskelkontraktion mit einer 18fach höheren Intensität als beim normalen Training mit Gewichten.

Oh ja, das spürt man durchaus. Nachdem ich mich in mein Lara-Croft-Outfit gezwängt habe, werde ich mit einer Blumenspritze mit Wasser benetzt und verkabelt. Dann geht’s los: Der Trainer steht vor mir und gibt Anweisungen, zwischen uns ein Gerät, das einer Parkuhr ähnelt. Dort werden Trainingszeit und Inten - sität eingegeben. Die Übungen sind eigentlich simpel: Armbeuger, Armstrecker, Arme in die Luft, Po senken, in die Knie, alles easy. Die Elektro-Impulse sind ganz sanft, trotzdem brizzelt es am ganzen Körper. Was im ersten Moment ein bisschen unheimlich scheint, ist zum Glück aber harmlos.

Ich habe jedenfalls noch nie so viel gekichert beim Sport. Wenn man das kitzelige Gefühl überwunden hat, wird’s interessant. Die Idee: Bevor der Impuls kommt, einatmen, Muskeln anspannen und ausatmen. Leider verpasse ich immer meinen Einsatz. Mit der Zeit lernt man das aber, und zack, sind 20 Minuten um. Man fühlt sich, als hätte man drei Stunden hart trainiert: Beine und Arme wie Pudding, total durchgeschwitzt. Der Muskelkater kommt am nächsten Tag. Trotzdem: Ich fühle mich elektrisierend gut.

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