Krisenbewältigung

Körpertraining für die Seele

Glücklicher und entspannter sind diese drei Frauen jetzt nach schweren Krisen. Kampfsport, Yoga und Nia haben ihnen geholfen, ihr Leben in neuem Licht zu sehen.

Kampfsport Körpertraining Körpertraining für die Seele © Emma Carlsson

Nele Grossinger (28) trainiert Kampfsport 

Hosen kaufen? Der Horror! Abends in die Disco? Lieber nicht! Zugeben, dass man einen Mann toll findet? Auf keinen Fall! Seit der Kindheit war ich pummelig und unzufrieden. Ständig wurde ich wegen meiner Figur gehänselt, galt schon in der Schule als langweilig und träge. Dann bekam ich zufällig den Werbezettel eines Kampfsportzentrums in der Nachbarschaft in die Finger. Ein Zufall, über den ich heute noch glücklich bin. Ohne diesen Flyer hätte mein Leben vielleicht nicht die Wendung genommen, die kurz darauf begann.

Anfangs wusste ich nichts über Kampfsport. Sollte ich mich wirklich in diese Männerwelt begeben? Ich habe mich getraut, und meine Vorurteile haben sich schon nach den ersten Übungsstunden aufgelöst. Schnell habe ich gelernt, welche Ästhetik darin liegt, mit einem Stock zu kämpfen. Aber auch, wie weh es tut, wenn man unkonzentriert ist und diesen Stock auf die Finger kriegt. Ich begriff, dass ich nur dann gut sein kann, wenn ich voll bei der Sache bin, wenn Körper, Technik und Kopf eine Einheit bilden.

Kampfsport veränderte ihr Leben

Und tatsächlich: Nicht nur meine Figur veränderte sich. Auch meine Leistungen wurden automatisch besser. Ich weiß noch genau, wie stolz ich war, als eine Trainingskameradin zu mir sagte: „Hey, man sieht, dass du Sport machst.“ Was für ein wundervoller Satz für jemanden, der sein Leben lang immer nur „die Dicke“ war! Dieses neue Selbstwertgefühl hat mir Auftrieb gegeben. Ich büffelte, zog mein Studium in Erziehungswissenschaften durch und trainierte verschiedene Kampfsportarten von Ju-Jutsu über Kickboxen bis Judo. Ich wurde immer besser. Inzwischen unterrichte ich selbst als Trainerin. Auch das war eine ganz neue Erfahrung für mich: plötzlich diejenige zu sein, die anderen zeigt, wie man’s macht, die Leistung abverlangt, Verantwortung übernimmt und auch mal Männer in die Schranken weist.

Ich habe durch den Sport viele Dinge verinnerlicht, die mir ein Leben lang nützlich sein werden – Durchhaltevermögen, die Fähigkeit, sich auch mal unterordnen zu können. Mal ganz abgesehen davon, dass ich dieses tolle Gefühl nie wieder missen möchte, das ich nach einem harten Training und der warmen Dusche habe – nämlich die totale Entspannung!

Infos: www.zanshin-dojo.de 

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