Kolumne Amelie Fried Ist Gartenarbeit das neue Yoga oder vergeudete Zeit?

Im Grünen zu graben sei ja so entspannend, schwärmen Freunde. Ich schwöre weiter auf meine Relax-Methode: Rein in den Liegestuhl!

Ist Gartenarbeit das neue Yoga oder vergeudete Zeit? © iStockphoto

Mit einem Mal bin ich umzingelt von Gartenfreunden und Hobbygärtnern. Noch das kleinste Vorgärtchen wird sorgsam kultiviert, und wer keinen Garten hat, bepflanzt wenigstens seine Balkonkästen. Alle schwärmen davon, wie toll es sei, mit den Händen in der Erde zu buddeln und irgendwelche Samenkörner zum Keimen oder Setzlinge zum Wachsen zu bringen. Man übertrifft sich gegenseitig mit gärtnerischem Sachverstand und tauscht Tipps, welche englische Rosen-Art am widerstandsfähigsten ist und wo es Samen für echtes Thai-Basilikum zu kaufen gibt. Und alle sind sich einig, dass Gartenarbeit ja so entspannend sei, geradezu meditativ.

Auf Partys wird nicht mehr über die besten Restaurants der Stadt gesprochen, sondern über die besten Gartencenter. Demnächst werden wohl die Kochsendungen im Fernsehen von Formaten wie „Das fröhliche Promi-Gärtnern“ oder „Jäten, bis der Arzt kommt“ abgelöst. Und das „Dschungelcamp“ wird umbenannt in „Die grüne Hölle“. Die Teilnehmer müssen dann drei Wochen mit Selbstgepflanztem in einem Berliner Schrebergarten überleben.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Auch ich liebe schöne Gärten. Am liebsten bewundere ich sie vom Liegestuhl aus, während ich ein gutes Buch lese. Ich esse auch gern frische Gartenkräuter oder selbst gezogene Zucchini und Tomaten. Aber für ihr Wachsen und Gedeihen möchte ich deshalb noch lange nicht zuständig sein. Ich grabe nun mal nicht gern mit den Händen in der Erde, ich lege keinen Wert auf die körperliche Begegnung mit Regenwürmern oder anderem Getier, ich rupfe nicht gern mit schmerzendem Rücken Unkraut, das wenig später sowieso wieder nachgewachsen ist.

Mich entspannt Gartenarbeit kein bisschen, ganz im Gegenteil: Sie macht mich nervös, denn die ganze Zeit stelle ich mir vor, wie viel Sinnvolles ich stattdessen machen könnte. Ich finde, die Natur soll ihren Job machen und ich mache meinen. Und keiner mischt sich beim anderen ein.

Sollten sich unter Ihnen, liebe Leserinnen, leidenschaftliche Hobby-Gärtnerinnen befinden, die noch Fläche benötigen, um sich auszutoben – ich lade Sie ganz herzlich in meinen Garten ein! Da können Sie nach Herzenslust graben, pflanzen, jäten und gießen. Ich liege so lange auf meinem Liegestuhl und lese ein gutes Buch. Wenn das Gemüse dann reif ist, kommen Sie wieder – und ich koche uns daraus ein köstliches Essen! Ist das ein Deal?

Alle 14 Tage schreibt unsere Kolumnistin über die kleineren und größeren Dinge des Lebens. Wer mehr über sie erfahren möchte: www.ameliefried.de

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Autor:
Amelie Fried