Selbstbewußtsein Gute Körperhaltung

Kopf hoch, Brust raus – eine aufrechte Haltung sieht nicht nur viel besser aus. Auch die eigene Einstellung verändert sich: Plötzlich ist da mehr Platz für innere Stärke.

Gute Körperhaltung © iStockphoto

Was hat der richtige Bürostuhl mit dem Selbstbewusstsein zu tun? Eine Menge! Das fanden US-Forscher der Northwestern University in Illinois in einer Studie zum Thema Führungspotenzial heraus. Und zwar so: Die Hälfte einer Gruppe von Studenten durfte sich fünf Minuten auf einem komfortablen Bürosessel breitmachen, die anderen Teilnehmer mussten sich mit schmalen, unbequemen Stühlen begnügen. In anschließenden schriftlichen Tests zu Stärke und Durchsetzungskraft zeigte sich: Die Probanden auf den ausladenden Sitzpositionen schnitten besser ab. Für die Berliner Diplom-Psychologin und Yogalehrerin Christa Traczinski vollkommen einleuchtend: „Körper und Seele spiegeln einander. Wer sich klein macht oder machen muss, atmet flach, klingt leise – und knickt auch emotional ein.“ Die spürbare Folge: Man traut sich weniger zu, ist innerlich blockiert. Unsere Körperhaltung hat also immer auch Einfluss auf unsere Selbstwahrnehmung.

Energie durch Haltung in Fluss bringen

„Sitzen oder gehen wir aufrecht, kann die Lebensenergie ungestört fließen, alle Zellen sind ausreichend mit Nährstoffen versorgt“, erklärt die Psychologin. Wo Muskeln jedoch verspannt sind, entstehen Fehlhaltungen und Blockaden. Die Folge: Manche Zellen sind unterversorgt mit Sauerstoff, wir fühlen uns nicht wohl in unserer Haut – und das merkt man uns an. Wie gut, dass sich eine bessere Haltung erlernen lässt. Vor allem ganzheitliche Trainingsmethoden wie Yoga, Tai Chi oder Pilates sind ideal, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen (siehe Seite 75). Sie richten die Wirbelsäule auf und strecken den Körper. Verbunden mit der richtigen Atemtechnik, kann so die Energie wieder ungehindert fließen. Lunge und Herz werden weit, Blockaden lösen sich. „Man fühlt sich dadurch freier, offener – und auch selbstbewusster“, weiß Traczinski.

In Sekunden Stärke ausstrahlen

Das Zusammenspiel von Körper und Geist funktioniert auch in umgekehrter Richtung: „Wer ein gutes Selbstbewusstsein hat, strahlt das aus“, erklärt der Mannheimer Psychologe Dr. Rolf Merkle, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt:. „Die Einstellung zu uns selbst beeinflusst die Körpersprache: unsere Haltung, Mimik, Gestik, den Blick, die Stimme – einfach alles.“ Andere nehmen diese versteckten Signale in Bruchteilen von Sekunden wahr und bilden sich ihr Urteil. Menschen, die aufrecht durchs Leben gehen, so zeigen zahlreiche Studien, wirken attraktiver und kompetenter. Aus evolutionärer Sicht nachvollziehbar, denn wer durch seine Haltung Stärke demonstriert, sammelt Pluspunkte – privat bei der Partnerwahl, im Job signalisiert man, dass man es locker mit der Konkurrenz aufnimmt.

Die innere Zufriedenheit steigern

Leider fällt es den meisten Menschen jedoch nicht leicht, mit sich zufrieden zu sein. Statt uns wohlwollend zu betrachten, sind wir selbst unsere schärfsten Kritiker. „Der Schwerpunkt in unserer Gesellschaft wird mehr auf die Schwächen und Fehler gelegt als auf die Stärken“, so Dr. Rolf Merkle. „Dadurch lernen wir, uns für unsere Defizite zu verurteilen und Erfolge zu übersehen.“ Eine gute Haltung ist mit dieser Einstellung kaum möglich. Wer sich äußerlich aufrichten will, sollte deswegen auch innerlich an seiner Haltung sich selbst gegenüber arbeiten.

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