Abnehmen

Dick durch Stress

Manchmal sitzt der Stress mit am Tisch. Seine Kumpel heißen: Kalorienzählen, schlechtes Gewissen, Zeitdruck, hektischer Alltag. Bestseller-Autorin Marion Grillparzer sagt, was gegen Zunehmen durch Stress hilft.

Dick durch Stress - Seelische Probleme begünstigen das Zunehmen Dick durch Stress © iStockphoto/Thinkstock

Du hast schöne Augen. Du bist ein freundlicher Mensch! Morgens lächelt sich Michaela Amtsmann im Spiegel an und spricht dabei diese Sätze laut aus. Und irgendwann lacht sie. „So starte ich positiv in den Tag! Dass ich mich mal wieder wohlfühle und ohne zu hungern abnehme, das ist fast ein Wunder“, erzählt die 48-jährige Münchnerin. An ihrem Tiefpunkt wog sie nicht nur 98 Kilo, sondern schlitterte auch knapp an einer Depression vorbei.

Ein Umzug hatte sie völlig aus der Bahn geworfen. „Eigentlich wollte ich neue Freunde und in den Arm genommen werden. Aber außer Essen gab es nichts für die Seele. Nach dem ersten Kuchenstück war ich dann wütend auf mich selbst. Jetzt wirst du noch dicker, dachte ich. Und um mich zu bestrafen, habe ich gleich noch ein Stück gegessen. Ich war mittendrin im Teufelskreis.“ Einige gescheiterte Diätversuche und einsame Monate später wusste Michaela keinen Ausweg mehr und ging zu einer Therapeutin. Dort lernte sie, dass negative Gedanken unser Handeln negativ beeinflussen. Und ihr wurde klar: Das Essen mochte zwar schuld am Übergewicht sein. Die Ursache aber war ihre unglückliche Seele. Die stresste den Körper so sehr, dass er sich eine Schutzschicht zulegte.

„Um solche Stress-Pfunde wieder loszuwerden, gibt es clevere Anti-Stress-Strategien“, sagt Ernährungs-Expertin Marion Grillparzer. „Eine klassische Diät bringt da meist wenig. Das erhöht den Druck eher noch. Wichtiger ist es, die seelischen Abwehrkräfte zu aktivieren. Dann kann man in stressigen Situationen schnell sein inneres Gleichgewicht wiederfinden und ist weniger anfällig für kalorienreiche Tröster.“

Seelisches Schutzschild

Diesen seelischen Schutzschild, den Fachleute „Resilienz“ nennen, hat übrigens jeder von uns – er ist nur ganz unterschiedlich ausgeprägt. So erklärt sich auch, warum die eine lange über das Extrastück Kuchen nachgrübelt, während die andere sich einfach über den Genuss freut. „Ein Mensch mit guter Resilienz ist wie ein Gummiball, der sich beim Aufprall  kurz verformt und dann ganz mühelos wieder in seine Ursprungsform zurückfindet.“

Um unsere Resilienz auszubauen, empfiehlt Marion Grillparzer ein Programm, das auf fünf verschiedenen Säulen steht. Es ist genau jene Methode, mit deren Hilfe auch Michaela ihre innere Balance wiederfinden konnte – und so nach und nach ihre Wohlfühlfigur erreichte. „Es war toll, meine alte Leichtigkeit wiederzuentdecken. Durch Yoga und Trampolinspringen habe ich die neue Verbindung zu meinem Körper gefestigt. Und auch wenn es komisch klingt: Je wohler ich mich fühlte, umso gesünder ernährte ich mich. Klar purzelten die Pfunde nicht so schnell wie bei einer strengen Diät. Dafür aber mit Genuss und glücklicher Seele.“

1. Bilder wecken Kräfte

"Selbstvertrauen ist wichtig für unsere innere Balance“

Wer an sich selbst glaubt, hat weniger Stress. Ach ja, das klingt super. Aber wie schafft man das unter Druck, wie gelingt das, wenn etwas schiefgegangen ist? „Mit einem Fotoalbum“, sagt Marion Grillparzer. „Es ist ein wahrer Schatz, um seine eigenen Stärken aufzuspüren.“ Da finden sich Bilder von der selbst organisierten Abifeier, dem Vortrag, den man vor 20 Leuten gehalten hat, den beiden wohlgeratenen Kindern. Wir wählen uns Fotos, die uns beim Betrachten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Die schönsten hängen wir so auf, dass wir sie immer wieder sehen – etwa von innen an die Wohnungstür. Wir verlassen das Haus mit einem Glücksgefühl, mit neuer Power für den Alltag. „Vor allem wir Frauen essen oft aus mangelndem Selbstvertrauen – darunter leiden wir sechsmal häufiger als Männer“, sagt die Expertin. Die Bilder zeigen uns, was wir erreicht haben. Sie öffnen uns die Augen für das Positive. Genau wie bei Michaela: „Ich hab meinem Körper gedankt, dass er so stark war und bei all dem Stress und Übergewicht gesund geblieben ist.“

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