Familienplanung Streit um den Kinderwunsch

Sie will ein Baby, er nicht. Ein Konflikt, der unlösbar scheint. Ist er aber nicht unbedingt. Drei Frauen, drei Wege.

Frau mit Babyschuhe Streit um den Kinderwunsch © iStockphoto

Simone hat es darauf ankommen lassen, und wurde schwanger. Merle hat sich getrennt. Nina blieb bei ihrem Partner – und verabschiedete sich von ihrem Babytraum. Drei Frauen, die unterschiedliche Wege fanden aus einem Konflikt, der viele Beziehungen belastet: Sie will Mutter werden, doch er (noch) nicht Vater sein. „Ich hätte gern ein Kind mit dir“ – für viele gibt es kein schöneres Liebesbekenntnis. Eine gemeinsame Familie, ein Baby, diese Ursehnsucht wird für Frauen mit Anfang, Mitte 30 oft zum brennenden Bedürfnis und bestimmenden Thema. Es tut verdammt weh, wenn der Partner diese Vorstellung dann nicht teilt. Wenn er auf den Vorschlag, die Pille abzusetzen, nur vor sich hin grummelt. Wenn er immer wieder aufzählt, was im letzten Jahr alles nicht möglich gewesen wäre, hätte man schon Windeln wechseln und nachts dreimal aufstehen müssen. Wenn er davon schwärmt, wie schön es ist, dass seine Kinder aus erster Ehe schon lange aus dem Gröbsten heraus sind.

Am Anfang lässt sich mit seiner Unentschiedenheit vielleicht leben, doch der Druck wächst mit den Jahren. Selbst Frauen, die sich nie ein Kind gewünscht haben, beginnen mit Ende 30, Anfang 40, sich danach zu sehnen. Und er? Schüttelt manchmal immer noch den Kopf. „Wenn ein Mann Nein zu einem Kind sagt, lehnt er eine Seite in mir als Frau ab“, erklärt die Paartherapeutin Friederike von Tiedemann. „Das verletzt. Denn jeder möchte einen Partner, der ganz Ja zu einem sagt.“ Nicht, dass moderne Männer keine Kinder wollen, im Gegenteil: Grundsätzlich wünschen sich mittlerweile sogar mehr Männer als Frauen Kinder, wie das „Deutsche Beziehungs- und Familienpanel“ ergeben hat, für das über 12 000 Männer und Frauen interviewt wurden. Auf die Frage, ob sie in den nächsten zwei Jahren ein Kind wollen, antworteten jedoch mehr Männer als Frauen im Alter von Mitte 30 mit Nein. Weil sie sich mehr Zeit lassen können – und sich die auch nehmen.

Was also ist, wenn er unbestimmt bleibt und sagt: Ja, ich will schon, aber nicht jetzt? Solch ein ambivalentes Verhalten kann unterschiedlichste Gründe haben. „Viele Männer befürchten, dass die Beziehung leidet, wenn ein Kind da ist“, sagt Friederike von Tiedemann. Oder sie haben das Gefühl, dass sie die ganze Verantwortung übernehmen müssen: „Früher war die Frau voll für die Kinder verantwortlich. Heute wird von den Männern erwartet, dass sie nicht nur Ernährer, sondern auch liebevolle Väter sind. Beides zu schaffen, dafür fehlt ihnen möglicherweise das Selbstvertrauen.“ Vielleicht hat er auch gestresste Eltern aus dem Freundeskreis vor Augen und will so auf keinen Fall werden.

Wenn solche Bedenken anklingen, hilft es, die eigene Verletzung für ei ne Weile hintanzustellen. Und den neutralen, aber neugierigen Blick einer Ethnologin einzunehmen und zu fragen: Welche Szenarien in seinem Kopf bewirken, dass er kein Kind will? Und wie lassen sie sich möglicherweise ändern? Vielleicht gibt es ja Modelle, die Lust auf ein Kind machen. „Hat man gute Bilder gefunden, lassen sich irrationale Ängste entschärfen“, sagt Friederike von Tiedemann. Sie empfiehlt auch, einen Dritten als Moderator ins Boot zu holen – zum Beispiel einen Paartherapeuten –, wenn das Gespräch ins Stocken geraten ist und die Fronten verhärtet sind. Manchmal ist eine ambivalente Haltung jedoch ein verstecktes Nein. Und der Partner ist entschiedener, als sie wahrhaben will. „Dann sollte man sich keinen Illusionen hingeben“, sagt Friederike von Tiedemann. „Die Liebe zu diesem Mann heißt, dass man Abschied von der Mutterrolle nehmen muss.“

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Autor:
Sabine Henning