Mutter über 40 Die neuen 40+ Mütter

Im Geburtsvorbereitungskurs sitzen neuerdings immer mehr Anfang-Vierzigjährige: Spät Kinder zu bekommen liegt im Trend. Was sind die Gründe dafür? Welche Vorteile hat das – und welche Nachteile?

Uma Thurman Die neuen 40+ Mütter © Getty Images

Hätten Sie das gedacht? Jedes vierte Kind, das in Deutschland geboren wird, hat eine Mutter, die älter ist als 35. Demnach ist Mutter werden über 40 heute ziemlich normal. Zugegeben, verglichen mit den 60ern, als Frauen ihr erstes Kind im Durchschnitt mit 23 bekamen, sind Mütter über 40 vielleicht spät dran. Damals galt man schon ab 30 als „spät gebärend“. Mittlerweile sind die 40-plus-Mütter einfach nicht mehr wegzudenken: aus keinem Geburtsvorbereitungskurs, keinem Kreiß saal, keinem Kinderschwimmkurs und von keinem roten Teppich. Und es werden immer mehr: In der Altersgruppe ab 40 beobachten die Statistiker einen sprunghaften Anstieg.

Hatten laut Geburtenstatistik im Jahr 1990 noch etwa 10800 Neugeborene in Deutschland eine Mutter von 40 oder älter, waren es im Jahr 2000 mit circa 20000 schon fast doppelt so viele, und laut Stand von 2009 hat sich die Zahl auf rund 34600 erhöht – also mehr als dreimal so viele wie noch vor knapp 20 Jahren. Für den Medizinpsychologen Dr. Tewes Wischmann liegen die Gründe für den immer später kommenden Kinderwunsch auf der Hand: „Vor allem Frauen mit guter Ausbildung wollen sich erst beruflich etablieren, finanziell abgesichert sein und den richtigen Partner haben, bevor sie schwanger werden.“

Und dank Verhütung und Fortpflanzungsmedizin, glauben viele, sei das ja auch überhaupt kein Problem. Dahinter verbirgt sich aber auch das Gefühl: Kind und Karriere – das geht in Deutschland nur schwer gleichzeitig. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Hannover: Fast alle der befragten Frauen über 35 gaben an, es sei ein entscheidendes Problem, beides miteinander vereinbaren zu wollen. Aber nicht nur die Frauen schieben das Thema Kind auf die lange Bank: Laut einer Studie für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sind auch viele potenzielle Väter nicht bereit, wegen Nachwuchs im Beruf zurückzustecken. Da hilft es wenig, dass Länder wie Frankreich und Schweden beweisen, wie beides zusammen geht.

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