Kolumne Amelie Fried Männer an der Baby-Front

Warum nur, fragt Amelie Fried, belästigen Männer uns mit ihren Heldentaten an der Baby-Front?

Männer an der Baby-Front Männer an der Baby-Front © Adam Przezak-fotolia

Die Helden von heute sind keine Weltumsegler oder Rennfahrer. Es sind: die Väter. Keine Talkshow, in der nicht ein junger Vater unter Tränen vom ergreifendsten Moment seines Lebens berichtet, als er Marc-Louis’ Nabelschnur durchtrennte (Applaus im Studio). Und dass er natürlich die Elternzeit in Anspruch nehmen werde, um eine enge Beziehung zu Marc-Louis herzustellen (schniefende Frauen im Publikum). Und dass er kein Problem mit dem Wickeln habe, trotz des strengen Geruchs (Bravorufe). Für zwei Monate Wickelpraktikum werden die Männer gefeiert, als hätten sie den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bezwungen. Und auf dem Spielplatz müssen sie aufpassen, nicht von enthusiastischen Müttern auf den Schultern im Triumphmarsch um den Sandkasten getragen zu werden. Ja! Das ist er! Der „neue“ Vater!

Leider ist den Männern der Erfolg ihrer Väter-Show zu Kopf gestiegen, und nun überschwemmen sie den Buchmarkt mit Schilderungen ihrer Heldentaten. Das Fläschchen unfallfrei zubereitet! Ans Bäuerchen gedacht! Strampler gebügelt! Wow! Wir Frauen stehen mit offenem Mund da und fragen uns, warum wir die letzten zweitausend Jahre nicht auch ein bisschen gefeiert wurden. Schließlich mussten wir die Kinder nicht nur kriegen, sondern überwiegend alleine versorgen, weil die Herren vergangener Generationen mit Kriegführen, Geldverdienen und Fußballgucken beschäftigt waren und es als unmännlich galt, Kindern mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen als gelegentlich eine Kopfnuss.

Seit einiger Zeit nun haben die Männer das Vater- Sein für sich entdeckt, wenn auch überwiegend in der Theorie. „Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“ ist die soziologische Umschreibung für: viel Blabla (vor allem in Buchform) und wenig dahinter. Denn am Ende bleibt es meist bei zwei Monaten Väterzeit – schließlich will man seine Karriere nicht gefährden.

Um eines klarzustellen: Natürlich ist es besser, ein Vater kümmert sich zwei Monate intensiv um sein Kind, als gar nicht. Aber dies als Errungenschaft zu feiern und eine neue Vater-Ära auszurufen ist doch stark übertrieben. Solange Männer und Frauen für ihre Arbeit nicht gleich bezahlt werden und männliche Karrieren wichtiger sind als weibliche, werden es weiter die Frauen sein, die zu Hause bleiben. Ihre Männer heimsen währenddessen die Lorbeeren für etwas ein, das eigentlich für beide Eltern selbstverständlich sein müsste: sich um sein Kind zu kümmern.

 
Schlagworte:
Autor:
Amelie Fried