Report Ahnenforschung

Das Internet bringt Familien zusammen: Per Computer lassen sich die Spuren der Ahnen leichter zurückverfolgen. Dieser Weg führt viele auf eine spannende Reise in die Vergangenheit

Ahnenforschung Ahnenforschung © Liudmila Travina-Fotolia

Als ob ich in einen Spiegel schaute“, erinnert sich Andrea Bentschneider an jenen Moment vor 20 Jahren, als sie erstmals ein Foto ihrer Oma in Händen hielt. Die Hamburgerin hatte ihre Großeltern väterlicherseits nie kennengelernt, sie starben im Zweiten Weltkrieg. Doch das vergilbte Foto des Mädchens im Badeanzug fesselte Andrea Bentschneider so sehr, dass sie mehr darüber wissen wollte: „Wie war diese Frau, die mir so ähnlich sah, diese Frau, deren Erbin ich bin?“

FAMILIENGESCHICHTE ALS TEIL UNSERER IDENTITÄT

Die Suche nach den eigenen Wurzeln fasziniert nicht nur die heute 40-Jährige. Warum verließ mein Großonkel seine Heimat? Welchen Beruf lernte die Urgroßmutter? Manchmal löst das alte Familienfoto die Spurensuche aus. Andere interessiert die Herkunft ihres seltenen Nachnamens. Doch alle treibt es, mehr über die Familiengeschichte zu erfahren, weil sie Teil ihrer Identität ist. Mit einem Theaterstück, das schon lange lief, als man zur Welt kam, vergleicht es Cornelia Ulrich, Diplom-Psychologin und systemische Paar- und Familientherapeutin an der Universität München: „Je mehr man erforscht, wie das Stück bislang verlaufen ist, umso klarer wird, welche Rolle von einem selbst erwartet wird.“ Und erst dann könne man bewusst entscheiden, ob man die vorgezeichnete oder eine andere Rolle spielen möchte.

Über die Vergangenheit der Familie würde laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach jeder zweite Deutsche gerne noch mehr wissen. In England gehört Ahnenforschung schon jetzt zu den beliebtesten Internetaktivitäten überhaupt. Und auf dem in Deutschland 2007 gestarteten Familiennetzwerk „verwandt.de“ haben inzwischen 1,3 Millionen Familien ihre Stammbäume eingestellt, 30 000 kommen wöchentlich neu dazu. Sicherlich trägt auch die moderne Technik Schuld daran, dass sich mehr Menschen auf die Fährte ihrer Vorfahren begeben: Dank Internet sind die Wege in die Vergangenheit bequemer zu verfolgen. Früher blieb Hobby-Genealogen nichts anderes übrig, als vor Ort in Archiven zu stöbern, wo Aufzeichnungen womöglich in Sütterlin-Schrift geführt waren. Heute reichen oft ein paar Mausklicks, um Datenbanken mit Steuerregistern oder Passagierlisten von Auswandererschiffen zu durchforsten. Und wer fit für die moderne Ahnensuche sein will, klickt sich am besten durch die Website des Vereins für Computergenealogie e. V..

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Autor:
Sibylle Royal