Gärten, Balkone und grüne Hinterhöfe sind wieder hoch im Kurs Die neue Lust auf den eigenen Garten

Ackern in Zeiten der Wirtschaftskrise. Auf Balkons und in Gärten wird gesät, gepflanzt, gelebt wie nie zuvor. Was uns gerade jetzt zurück zur Natur treibt. 

Die neue Lust auf den eigenen Garten Die neue Lust auf den eigenen Garten © jerome berquez-Fotolia

Wer sich fragt, worüber die Mächtigen der Welt bei Fototerminen immer so angeregt plaudern, bekommt selten eine Antwort. Es sei denn, Michelle Obama war dabei: „Ich bin von den anderen Staatschefs ständig auf unseren Garten angesprochen worden“, verriet die First Lady der USA nach ihrer Europareise im April. „Ihr“ Garten ist logischerweise der des Weißen Hauses. Die Obamas haben ihn medienwirksam mit Obst und Gemüse von Rucola bis Zwiebeln bepflanzt – keine Möhren, die mag Barack nicht. Die Kinder sollten mal etwas wachsen sehen, erklärte Michelle Obama, „und nicht immer nur nach der fertigen Pizza fragen“. Zweifellos hätte die Präsidentengattin auch auf der Bundesgartenschau interessante Themen gefunden – schließlich bietet die Washingtoner Villa neben (neuerdings) 100 Quadratmetern Bioacker noch ausreichend Platz für ein buntes Blumenmeer. Die am 23. April in Schwerin eröffnete Schau soll bis zum Oktober 1,8 Millionen Besucher in die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern locken. Insgeheim hofft man sogar auf noch sehr viel mehr Gäste: „Die Stimmung für die Themen Garten und Natur war noch nie so gut wie jetzt“, sagt Landschaftsgärtner Björn Schwake, der in der Nachbarschaft des prächtigen Schweriner Schlosses das „Haus der Gärtner“ aufbaut. Ein Informationszentrum und Veranstaltungsort im Rahmen der Bundesgartenschau. „Früher hieß es ja: mein Haus, mein Auto, mein Urlaub“, erzählt Schwake. „Jetzt heißt es oft: mein Garten.“

Produkt-Tests

Produkte zur Pflege Ihres Gartens bei etest-wohnen.de

 

Die Profi-Gärtner verzeichnen seit geraumer Zeit steigende Umsätze, besonders durch private Auftraggeber: Deren Anteil an den knapp fünf Milliarden Euro Umsatz ist von 40 Prozent im Jahr 2001 auf aktuell 50 Prozent gestiegen. „Es gibt einen klaren Trend zur hochwertigen Ausstattung“, meint Hermann Kurth, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands. „Die Menschen gestalten ihren Garten wie ein zweites Wohnzimmer und entscheiden sich für schöne Hölzer, wertvolle Natursteine oder außergewöhnliche Tulpen.“ In den Gartencentern und Baumärkten der Republik spiegelt sich die gleiche Entwicklung: Statt endloser Reihen von Setzlingen und praktischen Plastikmöbeln werden dort – zum Beispiel mediterrane oder nordische – Lebenswelten präsentiert, mit farblich und stilistisch passenden Pflanzen und Accessoires.

 

1 2 3
 
Schlagworte:
Autor:
Christine Koller, Raimund Witkop