Sanfte Hilfe für straffe Haut Cremen gegen Cellulite

Cellulite sollte für eine gestandene Frau kein Problem sein, findet unsere Autorin Anne Stein – und cremt trotzdem gegen die kleinen Dellen an

Cellulite Cremen gegen Cellulite © Polylooks

Es ist kein Drama. Wirklich nicht. Rund 90 Prozent meiner Zeit belastet mich das bisschen Cellulite überhaupt nicht. Schließlich sitze ich zusammen mit Models, Hollywood-Stars und knapp 90 Prozent der restlichen weiblichen Weltbevölkerung in einem Boot. Und das schon ziemlich lange. Bereits als 18- Jährige konnte ich dezente Wellen und Dellen auf meinen seitlichen Oberschenkeln erscheinen lassen, wenn ich die Haut ordentlich zusammenschob. Nach einer ganz und gar undezenten Bemerkung meines damaligen Freundes wurde der grüne Plastik-Massagehandschuh meiner Mutter, der bei uns in der Dusche hing, mein fester Partner. In seiner Mitte schäumte ein Stück Efeuseife. Täglich zog ich damit große Kreise auf meinen Oberschenkeln, bis die Haut hummerrot war. Niemals in meinem späteren Leben habe ich ein Beauty-Ritual so entschlossen und konsequent durchgehalten wie damals. Vielleicht hat sich meine Orangenhaut auch deshalb nicht wesentlich verschlimmert. Ich finde meine Oberschenkel ganz in Ordnung. Meistens. Aber zur absoluten „Ist doch alles gut“-Einstellung fehlen mir eben rund zehn Prozent. Und die reichen aus, um mich in bestimmten Momenten zu 100 Prozent empfänglich zu machen für neue Cremes, Massagetechniken und andere viel versprechende Methoden und Lösungen. 

Cellulite? Kein Problem! 

Es gab Zeiten, in denen Cellulite kein Problem war. Zum Beispiel hatte es 1962 noch niemanden gestört, dass die Bikinifigur von Ursula Andress in „James Bond jagt Dr. No“ nicht ganz makellos war. Für das, was ihre Hüfte ein bisschen wellig aussehen ließ, gab es noch gar keinen Namen. Cellulite war nicht der Rede wert. Sondern – ganz natürlich. Die elastischen Fasern des weiblichen Bindegewebes sind, das war damals schon bekannt, so aufgebaut, dass sie eine Schwangerschaft mühelos verkraften können. Und weil sie senkrecht zur Hautoberfläche verlaufen, halten sie eben auch das Fettgewebe in Form kleiner Säulen zusammen, die sich an der Hautoberfläche abzeichnen können. Weibliche Hormone leisten zusätzliche Entwicklungshilfe, indem sie ein Enzym stimulieren, das Fettproduktion und Wassereinlagerungen fördert.

Koffein als Anti-Cellulite-Mittel

Der globale Kampf gegen die Dellen begann zur Bikini- Saison 1971. Damals weckte in Frankreich das erste Anti- Cellulite-Mittel den Wunsch der Frauen nach einem perfekten Körper. Seitdem ist Koffein nicht nur der Star im Kaffee. „Zu Recht“, findet die Münchner Dermatologin Tatjana Pavicic von der Ludwig-Maximilians-Universität. Vor fünf Jahren gründete sie zusammen mit Kollegen eine Forschungsgruppe zum Thema Cellulite und legte seitdem einige der wenigen ernst zu nehmenden Studien aus diesem Bereich vor: „Koffein zählt zu den am besten dokumentierten Wirkstoffen. Es fördert die Fettverbrennung im Hautinneren, hemmt die Speicherung von Lipiden und kurbelt die Mikrozirkulation in den Zellen an. Allerdings muss das Koffein in einer Creme zweiprozentig dosiert und in Liposomen verpackt sein, die es wie kleine Fähren ins Fettgewebe schleusen.“ Pflanzliche Stoffe aus Trauben, Zinnkraut, Äpfeln und Algenextrakten können den Effekt unterstützen, die Verhärtung der kollagenen Fasern bremsen und das Gewebe festigen.

Die Dellen dauerhaft in den Griff bekommen

Zu den knapp 800 Millionen Euro, die Frauen schätzungsweise jedes Jahr weltweit in Cremes, Gele, Öle und Pflaster gegen Cellulite investieren, trage ich einen hübschen Teil bei. Regelmäßig lande ich in der Parfümerie und kaufe, was das Gewebe entschlacken, Fett in Energie umwandeln und den Schenkelumfang reduzieren soll. Solange ich täglich Creme verteile und einmassiere, habe ich tatsächlich das Gefühl: Es bringt etwas. Aber sobald ich aufhöre, verschwindet dieser Effekt auch wieder. Das würde mich stark beunruhigen, wenn es meinen Freundinnen nicht genauso ginge. Dabei geben einige noch mehr Geld aus – für Lymphdrainagen, Algen-Wraps, Behandlungen mit Unterdruck, Reizstrom oder Tiefenwärme. Kurzfristig sieht es dann auch glatt aus. Aber am Ende siegt – die Cellulite.

Um sie dauerhaft in den Griff zu bekommen, müssen Sie dauerhaft etwas dagegen tun“, sagt die Freiburger Sportmasseurin Christel Gegg und erklärt, warum gelegentliche Anti-Cellulite-Aktionen nichts bringen, regelmäßige Tiefenmassagen dafür umso mehr: „Die Fettzellen, die die Cellulite bilden, sind schlecht durchblutet und werden nur in größter Not abgebaut. Gezielte Massagegriffe regen die Mikrozirkulation an. Träges Fett wird geschmeidig und kann so vom Körper besser abgebaut werden. Dazu viel Bewegung und ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, Stärke und Fett.“ Das glaube ich gern. Zumindest die Tiefenmassage für zu Hause („Cellulite muss nicht sein“ von Christel Gegg, Pier 19 Verlag) werde ich bestimmt testen. Bald. Auf jeden Fall nach meinem nächsten Bikinikauf.

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Anne Stein