Ökologisch und Sozial Faire Kosmetik

Glück kann man nicht kaufen. Aber eine bessere Welt. Zum Beispiel mit Kosmetik, die soziale Projekte unterstützt. Kommt die Hilfe an? Oder geht es nur um Imagepflege?

Fair Trade Kosmetik Faire Kosmetik © <a href="http://de.fotolia.com/id/9158221" title="" alt="">Vladislav Gansovsky</a> - Fotolia.com

Flammend rot sollte er sein, wie eine Koralle im Meer, der neue Lippenstift von Melanie Bause. Kein ungewöhnlicher Wunsch für eine 38-Jährige – doch die Hamburgerin ist blind. Innerhalb von zwei Tagen wurde es vor elf Jahren um sie herum Nacht. Als hätte sie ihr Gesicht ganz langsam in das Fell einer schwarzen Katze getaucht. Schuld daran ist eine seltene Verlaufsform der Nervenkrankheit Multiple Sklerose.

Fair und mit Nachhaltigkeit
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Rund 150 000 Blinde gibt es in Deutschland. 1500 davon nutzen, wie Melanie Bause, den Katalog von Yves Rocher, den es seit 2004 auch in Punktschrift gibt, um sich Cremes, Make-up und Parfüm zu bestellen. Und alle, die bei Yves Rocher kaufen, finanzieren dieses Projekt mit, denn die Kosten von 23.000 Euro könnten allein durch die Bestellungen der Blinden nicht gedeckt werden. Klingt interessant und macht neugierig. Aber kommen solche Ideen auch bei den Betroffenen an?
 

Nah beieinander: Herzenswärme und kalte Geschäfte

Yves Rocher ist ein Naturkosmetik-Unternehmen von vielen, das sich für ein soziales Anliegen stark macht. Ob Handcreme gegen Kindesmissbrauch oder Nagellack zugunsten von Frauenhäusern: „Den Verkaufserlös einzelner Produkte zu spenden oder wohltätige Projekte zu unterstützen, liegt voll im Trend“, bestätigt Alexander Glück, Autor der Bücher „Der Spendenkomplex” und „Die verkaufte Verantwortung”. „Für solche Kosmetik geben viele Frauen auch gerne mehr Geld aus, denn dadurch darf man guten Gewissens eine Weile das Leid auf dieser Welt vergessen.“ Durchschnittlich zwei Milliarden Euro spenden die Deutschen laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) pro Jahr. 77 Prozent davon gehen an Menschen in Not, bevorzugt an Kinder. Vor allem Frauen über 45 Jahre, deren finanzielle Situation gesichert ist, sind trotz Wirtschaftskrise gebefreudiger als je zuvor. Was liegt also näher, als diese Zielgruppe mit der Kombination aus Kosmetik und Spenden doppelt zu erreichen?

Im Prinzip eine feine Sache, aber woher weiß man, ob eine Beautyfirma ihren sozialen Einsatz nur als Marketing- Trick für ein besseres Image benutzt oder ob sie tatsächlich ein gutes Werk tut? „Um das besser einschätzen zu können, lohnt es sich, ein paar Kriterien zu kennen“, sagt Jürgen Grosse, Geschäftsführer der Agentur Trust Fundraising in Dattenberg, die Firmen und Spendenorganisationen wie ein „sozialer Partnerschaftsvermittler“ zusammenführt.
 

Diese Faktoren sprechen für ernste Absichten

Ein sicheres Indiz dafür, dass einem Kosmetikhersteller ein Projekt wirklich am Herzen liegt, ist z. B., dass er schon dafür gekämpft hat, als es noch nicht „in“ war. Dazu gehört z. B. The Body Shop, der schon seit 1987 Wirkstoffe aus fairem Handel bezieht und 1994 mit einer Kampagne zur Aids- Aufklärung für Zündstoff sorgte.

Auch Estée Lauder rief bereits 1992 die rosa Schleife ins Leben, die man heute in aller Welt als Symbol für Brustkrebsvorsorge kennt – und das zu einer Zeit, als Schönheit vor allem durch absolute Makellosigkeit definiert wurde. Seitdem bringen Lauder- Marken wie Aveda oder Clinique jedes Jahr im Oktober Produkte heraus, deren Erlöse an die amerikanische Brustkrebsstiftung gehen, und veranstalten weltweit Aktionen. Bei uns wird z. B. das Brandenburger Tor pink angestrahlt.

Regionalität ist übrigens ein weiterer Glaubwürdigkeitsfaktor, denn solche Angaben lassen sich leichter überprüfen. Ob irgendwo in Afrika ein Trinkwasserbrunnen auch wirklich gebohrt wird, ist oft schwierig zu kontrollieren. Wenn eine Marke wie Catherine Nail dagegen konkret angibt, dass sie das Frauenhaus in Saarlouis unterstützt, kann sich jeder problemlos von der Seriosität überzeugen. Ähnlich ist es mit dem Adventskalender von Babor, der mit Ampullen gefüllt ist. Auch hier wird präzise angegeben, wofür die damit verbundene Spende bestimmt ist: für das Berliner Kinderhospiz „Sonnenhof“ und das Jugendzentrum „Arche“ in Potsdam, das Jugendliche von der Straße holt und Alternativen bietet. Hautpflege auf hohem Sozial-Niveau, die durch Nachhaltigkeit glänzt und die Welt in der wir leben zu einer besseren macht.

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