Parfüm-Herstellung Drei Frauen entwickeln Düfte

Die Parfums, die wir kaufen, haben sie entwickelt: Wir erzählen Ihnen von drei starken Frauen und ihr Gespür für Trend-Düfte.

Frau mit Parfüm Drei Frauen entwickeln Düfte © iStockphoto

Die Parfümeurin von Prada

Daniela Andrier ist eine der ganz großen Nasen im Parfumgeschäft: Sie hat bisher fast 40 Düfte kreiert

Kommt der neue Duft an oder nicht? Die übliche Marktforschung ist für Andrier „entsetzlich“, und viele neue Parfums sind sich so ähnlich, dass sie sie „charakterlose Süppchen“ nennt. Die Frau darf das sagen. Weil der Erfolg ihr recht gibt: Andrier ist die Hausparfümeurin von Prada, hat alle 17 Düfte gemacht – und dazu viele Klassiker für Gucci, Calvin Klein, Kenzo und Armani. Die gebürtige Heidelbergerin absolvierte ihre Ausbildung am „Grasse Institute of Perfumery“ in der Duftstadt Grasse. Heute, über 20 Jahre später, hat sie 3000 Rohstoffe im Kopf wie „alte Freunde“. Aus denen mischt sie ihre Kreationen. Nicht etwa im Labor, sondern als Formel am Computer. Eine Lieblingszutat: Iris. „Der Duft sitzt in der Knolle, die drei bis fünf Jahre getrocknet werden muss. Man braucht Tonnen, um kleinste Mengen herzustellen, aber das ist es wert.“ Zumal die Nuance ihr zu einem der größten Triumphe verholfen hat: „Eau d’Iris“, an dessen Erfolg sie mit „Infusion d’Iris“ anknüpfen möchte.

Die Designerin Anna Sui

Anna Sui ist eine der kreativsten Modemacherinnen. Seit 1999 mischt sie auch im Duftgeschäft mit

113, Greene Street, New York. Eine Topadresse für Modefans, denn hier ist der Shop von Anna Sui – der erste, den sie 1991 er öffnete. Drinnen sieht es aus, „als ob Joan Jett, Josephine Baker und Bettie Page sich eine Umkleide teilen“, wie ein Reiseführer treffend schreibt. Lila Wände, Schnörkel-Möbel, ein fröhliches Durchein ander aus Klamotten, Accessoires und Flakons. Keiner mixt unterschiedliche Stile so gekonnt wie die Tochter chinesischer Einwanderer, die ein Faible für blumige Düfte hat. Elf davon hat sie bis her auf den Markt gebracht, zu uns kommen nun zwei ganz frische Noten: „Mein Parfum ,Secret Wish‘ verkörpert für mich Wünsche. Denn jeder hat einen Wunsch, etwas, wovon er träumt, Sehnsüchte, die man sich erfüllen möchte. ,Flight of Fan cy‘ dagegen ist wie das Träumen von einer Reise, von schönen Plätzen, einem Lieblingsort.“ Und wie immer hat sie extra viel Liebe in die Gestaltung der Flakons gesteckt. Insgesamt hat ihre Arbeit daran fast ein Jahr gedauert. Für eine Designerin, die in der Zeit zwei Modekollektionen produziert, fast eine Ewigkeit.

Die Geschäftsführerin von Kenzo

Patricia Tranvouëz-Derrey bestimmt bei Kenzo, welche Düfte entwickelt werden

Sie sieht vielleicht nicht aus wie eine dreifache Mutter und Top-Managerin. Aber die zierliche Frau hat eine beachtliche Karriere hinter sich: Über diverse Beauty-Firmen arbeitete sie sich zum Luxuskonzern LVMH hoch, dort war sie ab 2004 Marken-Direktorin der Parfümeriekette Sephora, heute ist sie Geschäftsführerin von Kenzo Parfums. Eine ihrer ersten Amtshandlungen: die Einführung eines neuen Duftes in die „Flower“- Familie. Klug, wie sie ist, hat sie dabei ihrem künstlerischen Direktor Patrick Guedj freie Hand gelassen: „Er bekommt von mir nur allgemeine Richtlinien, dann kann er seine Kreativität am besten entfalten.“ Die Idee für den frischen Blumenduft hatten die zwei jedoch gemeinsam: „Ich war schon immer ein Fan von Bangsy, dem berühmten Graffiti-Künstler“, erklärt die Managerin. „Als ich mich mit Patrick über dessen Kunst unterhielt, war schnell die Idee zum Duft ,Flower Tag‘ geboren.“ Das „Tags“ die Signaturen von Graffiti-Sprayern sind, werden besonders die Jüngeren wissen. Und genau die will die Französin als neue Kenzo-Fans gewinnen.

So testen Sie Parfüms

Wie man Düfte trägt

  • GUT PLATZIEREN Düfte entfalten sich am besten dort, wo das Blut stark pulsiert oder wo es besonders warm ist: an den Handgelenken, am Hals, in den Ellbogenbeugen und den Kniekehlen.
  • DEZENT VERWENDEN Ein Duft ist eine ziemlich persönliche Sache, man sagt damit quasi schweigend Hallo. Ebenso wie der ganze Raum Ihre Konversation nicht mit bekommen muss, sollte auch Ihr Duft nur einen kleinen Kreis erreichen.
 
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