Selber Haare färben Blondieren selbstgemacht

Beauty-Redakteurin Martina Juhnke erzählt von ihren ganz persönlichen Erfahrungen beim Do-it-yourself-Blondieren und gibt Tipps, wie man es richtig macht.

Farbe ins Haar Blondieren selbstgemacht © Patrizia Tilly-Fotolia

News-Ticker: Färben

Nur 10 Minuten
statt einer halben Stunde brauchen die neuen Blitz-Colorationen. Das spart Zeit, und die Haare sind nicht so lange der Chemie ausgesetzt. Methode eins: In „excell 10“ von L’Oréal Paris beschleunigt ein Mix aus Ammoniak mit Ammoniumchlorid den Färbeprozess. Er hat einen haarfreundlicheren pH-Wert (9 statt 10) und gibt weniger flüchtiges Ammoniak ab. Methode zwei: In „Coloriste“ von Schwarzkopf schleust die Aminosäure Arginin mehr Pigmente schneller ins Haar. Beide Methoden funktionieren nur bei natürlichen Nuancen – extreme Farbtöne sind (noch) nicht möglich.

Colorations-Hit aus den USA
Eine Vitaminlösung beschleunigt die Oxidation und verkürzt dadurch die Färbezeit auf bis zu 10 Minuten. „Color Express Endz only“ kann in jede oxidative Coloration gemischt werden. Es intensiviert außerdem die Grauabdeckung, bringt Glanz und verhindert das Ausbleichen der Farbe. Nachteil: Die Lösung gibt es nur im Friseurgroßhandel (Tipps zur Anwendung im Internet unter store.colorexpress.org).

Sanfter Inhalt
„Essential Color“ von Schwarzkopf heißt eine dauerhafte Coloration ohne Ammoniak für zu Hause. Sie besteht bis zu 80 Prozent aus naturbasierten Inhaltsstoffen. Ein geruchsarmer Ersatzstoff und eine ausgeklügelte Cremegrundlage sorgen statt Ammoniak dafür, dass die Farbstoffe tief genug eindringen.

Gehören Sie auch zu den 60 Prozent der Frauen, die ihr Haar mit Farbe behandeln? Die Hälfte von ihnen griff bereits mit 16 Jahren das erste Mal zur Coloration – genau wie ich. Als das Goldblond meiner Kindheit zunehmend dunkler wurde, kaufte ich voller Hoffnung eine Blondierung in der Drogerie. Das Ergebnis nach dem Ausspülen und Trockenföhnen war jedoch alles andere als brillant: Meine Haare schienen zwar heller, aber irgendwie auch rötlich. Während ich noch überlegte, ob es sich dabei vielleicht um eine Täuschung durch ungünstigen Lichteinfall handelte, sagte mein Vater zu mir: „Du siehst ja aus wie Katja Ebstein!“

Der Ebstein-Effekt

Schon damals waren Ebsteins Haare eindeutig rot – was mich verzweifeln ließ und zum Friseur trieb. Der machte mir zwar die Haare schön blond, predigte aber die ganze Zeit, dass ich selbst schuld sei, weil ich nicht gleich zu ihm gekommen war. Dabei hatte ich die Anleitung auf der Packung doch genau gelesen. Heute weiß ich, dass mein Blondierungsversuch wegen zu hartnäckiger roter Pigmente fehlschlug. Denn jede natürliche Haarfarbe setzt sich aus zwei Pigmentarten zusammen: braunschwarzen und gelbroten. Beim Aufhellen werden beide zuerst verkleinert, dann aufgelöst, wobei die gelbroten im Laufe dieses Prozesses zunächst intensiver erscheinen. Hätte ich also noch einmal nachblondiert, wäre auch der Ebstein-Schimmer verschwunden. Das hat mir der Friseur aber damals leider nicht gesagt.

Auf dem Trockenen

Nach diesem haarsträubenden Erlebnis ließ ich erst einmal einige Zeit die Finger von Colorationen und Co. Was mir ziemlich schwer fiel, da meine Mähne zunehmend dunkler wurde. Die vermeintliche Rettung kündigte sich in Form eines Sprays an, mit dem man das Haar laut Hersteller „einfach in der Sonne oder mit dem Föhn“ aufhellen konnte. Genial, dachte ich. Leider klaffte eine Lücke zwischen Theorie und Praxis – mein Haar wurde zwar weizenblond, aber auch strohtrocken. Kein Wunder: Blondiersprays enthalten Wasserstoffperoxid, das so lange wirkt, bis es verbraucht ist. Diese „schleichende Oxidation“ kann besonders feines Haar ganz schön strapazieren. Um das auszugleichen, enthalten die Produkte von heute zusätzliche Pflegestoffe. 

Schrecklich scheckig

Mein nächstes Farbprojekt waren Do-it-Yourself- Strähnchen. Das größte Problem der Anwendung bestand darin, die Farbe auf den Strähnen zu halten und nichts danebenlaufen zu lassen. Rund ums Gesicht klappte das ganz gut – am Hinterkopf leider nicht. (Tipp: mit Strähnchenhaube klappt das gleichmäßige Färben zuverlässiger) Was mir aber erst ein paar Tage später auffiel, als ich mich im Spiegel einer Umkleidekabine von hinten sah: Mein Haar sah scheckig aus wie bei einem Meerschweinchen! Also begab ich mich wieder in die Hände eines Friseurs und bin seitdem Stammkundin. Denn von den Strähnchen, die ich dort bekam, war und bin ich bis heute begeistert. Erst recht, seit meine Haare grau wurden – mit dreifarbigen, helleren und dunkelblonden Strähnen kann man das wunderbar kaschieren.

Je dunkler, desto besser

Die Profibehandlung kostet natürlich auch entsprechend. Wäre ich dunkelhaarig, hätte ich es leichter mit dem Färben und Tönen in Eigenregie. Denn dunkles Haar zu colorieren ist einfacher, weil es mehr Farbe schluckt. Meine Schwägerin etwa färbt sich das Haar oft ein bisschen schwärzer oder auch mal rötlich und sieht immer gut aus. Und meine Kollegin deckt ihre ersten grauen Haare mit einer Intensivtönung ab, das merkt kein Mensch. Sogar die neue Do-it-yourself-Blondierung meiner Freundin ist richtig klasse geworden. Allerdings sind die Produkte heute auch viel besser und schonender als früher. Auch die Strähnchenfarben sind jetzt dickflüssig und „easy to use“. Das bringt mich doch glatt in Versuchung, es mal wieder selbst auszuprobieren!

 
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Autor:
Martina Juhnke