Anti-Aging

Hormon-Cocktails für ein jüngeres Aussehen?

Können wir die Zeit zurückdrehen? Wir können. Behaupten Ärzte und versprechen Aussehen und Lebensqualität von vor zehn Jahren. Doch das Verfahren mit Hormon-Cocktails ist umstritten.

Frau cremt Gesicht ein und lacht Hormon-Cocktails für ein jüngeres Aussehen? © Alliance/ iStock/Thinkstock

Altern ist eine Krankheit. Und die kann man heilen. Glaubt und verkündet jedenfalls Dr. Edmund Chein. Seit 20 Jahren betreibt der geschäftstüchtige Chinese in Palm Springs/Kalifornien das Life Extension Institute, denn der Doc hat nach eigener Aussage das Patent und das Rezept auf die einzig wahre Anti-Aging-Medizin. Er handelt mit Hormon-Cocktails, maßgeschneidert.

Was ist dran? „In der Tat sind Hormone neben genetischer Veranlagung und Verschleißerscheinungen maßgeblich für die Alterung verantwortlich. Und spätestens ab 40 Jahren hat jeder Körper ein Hormondefizit“, erklärt Dr. Katrin Schaudig, Endokrinologin aus Hamburg. Der verminderte Spiegel etwa an Wachstumshormonen, Testosteron (ja, auch Frauen haben das!), DHEA und Östrogen führt dann dazu, dass sich Muskeln abbauen, Fettmasse zunimmt, Bindegewebe und Haut schlappmachen, Knochen, Immunsystem und Stimmung schwächeln. Das ist der Lauf der Dinge. Es sei denn, man beschließt, zu einem Lifestyle-Arzt wie Chein zu gehen, der – so sagt er – die Uhr um zehn Jahre zurückdrehen kann.

Und das geht so: Nach einem Blutbild und einer Konsultation (Kostenpunkt rund 1500 Euro) bekommt der Kunde seinen Hormonstatus analysiert und Mittelchen zum Ausgleichen desselben verschrieben – in Form von Gel oder Pillen. Das Hormon-Anti-Aging braucht anschließend regelmäßige Aufmerksamkeit und Feinjustierung. Lebenslänglich für Arzt- und Patienten-Portemonnaie: Bis zu 1000 Euro monatlich werden für die ärztliche Kontrolle und den Verjüngungscocktail fällig. Denn sobald die Mittel ausgehen, finanziell oder hormonell, ist der Organismus innerhalb von sechs Monaten wieder ganz der alte.

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In den USA und Brasilien, Hochburgen des Jugendwahns, ist so ein Hormon-Update inzwischen schweigend akzeptiert, obwohl es noch keine Langzeitstudien über Effekt und Nebenwirkungen gibt. Aber auch in Deutschland beschäftigt sich die Anti-Aging-Forschung immer stärker mit diesem Thema. Dr. Katrin Schaudig: „Hormone hatten lange ein Image-Problem. In den 90ern hat man in den Wechseljahren Hormone wie Hustenbonbons verordnet, ohne Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse. Dadurch hatte man eine Menge Nebenwirkungen. Heute weiß man, dass individuell therapiert werden muss.

 

 

“ Die Langzeitforschung steht trotzdem aus – und das Verfahren ist unter Medizinern nach wie vor umstritten. Längst werden aber auch bei uns Hormone eingesetzt, um den Alterungsprozess ab 40 zu mildern – bei Männern wie Frauen. In der Dermatologie wird mit Cremes therapiert. Endokrinologen wie der Münchner Dr. Helmut Lacher bieten Anti-Aging-Sprechstunden und Prävention mit Hormonen an. Im Unterschied zu Lifestyle- Ärzten zielen Fachmediziner wie er aber in erster Linie darauf ab, Beschwerden zu lindern. Und diese Therapie kostet Patienten dann zwischen ein und drei Euro am Tag. Das macht die Hormondebatte zumindest mehrheitsfähiger und – Dr. Lacher ist sich sicher – zu einem großen Thema in der Zukunft. Er spricht aber lieber vom Well-Aging statt vom Anti-Aging: „Es geht nicht mehr darum, wie alt wir werden, sondern wie wir alt werden.“ Und ob wir das überhaupt künstlich beeinflussen wollen …

 
Autor:
Kirstin Bock