Seite 3 aus dem Artikel: "Warum krank sein, wenn man auch gesund sein kann?"
Woher weiß ich als Patient, wann ich ein Antibiotikum nehmen soll und wann nicht?

Aber woher weiß ich als Patient, wann ich ein Antibiotikum nehmen soll und wann nicht?

Aufklärung statt bedingungsloses Verschreiben durch die Ärzte ist wichtig. Eine Untersuchung hat gezeigt: Patienten, die eine positive Einstellung zu Antibiotika hatten, verließen die Praxis mit 90-prozentiger Sicherheit mit einem Rezept für ein Antibiotikum. Wer kritischer eingestellt war, dem wird nur mit 10-prozentiger Wahrscheinlichkeit eines verschrieben. Es kommt also darauf an, welche Einstellung man dem Arzt vermittelt. Als Patient habe ich auch eine Verantwortung.

Angenommen, ein Kind ist krank. Ist es nicht der erste Gedanke der Eltern, ihm sofort Linderung zu verschaffen?

Vor allem beim ersten Kind sind Eltern oft überfordert. Es wird rund um die Schwangerschaft von Risiken gesprochen, es ist weniger eine Zeit des frohen Hoffens als des bangen Abwartens. Wichtig ist, dass sich unsichere Eltern einen Kinderarzt auswählen, der kompetent berät, der beruhigt, Hausbesuche macht und seine Handynummer raus gibt, so dass man ihn im Notfall erreichen kann. Eine gute Taktik ist zum Beispiel die Ausstellung eines Rezeptes durch den Arzt, das jedoch nur „zur Not“ in der Apotheke eingelöst werden soll – wenn sich das Befinden des Kindes, etwa bei Mittelohr- oder Halsentzündung, innerhalb von 48 Stunden nicht bessert. Studien ergaben, dass 62 Prozent der Medikamente nicht abgeholt wurden, und dennoch waren die Eltern beruhigt, weil sie etwas in der Hinterhand hatten. Im Fall von bakteriellen Entzündungen bei kleinen Kindern wirken Antibiotika ohnehin schlecht. Man sagt: Mit Antibiotika dauert die Krankheit sieben Tage, ohne eine Woche.

Sie haben selbst fünf Kinder – wie haben Sie denn deren Mittelohrentzündungen durchgestanden?

Wir haben ein altes Hausmittel angewendet: Zwiebeln anrösten und in ein Tuch schlagen, dann aufs Ohr legen. Die ätherischen Öle der Zwiebel haben die Schmerzen im Nu gelindert. Bei Fieber sind noch immer die guten alten Wadenwickel eine Soforthilfe. Die Fürsorge schafft auch einen ganz intensiven und wichtigen Kontakt zwischen Eltern und Kind. Ein Arzt hat mir erzählt, er habe als Kind eine Lungenentzündung gehabt und erinnere sich sehr gerne an diese Zeit, weil er sich von seiner Mutter so umsorgt fühlte.

Wie kann ich mein Immunsystem im Erwachsenenalter trainieren, außer auf Antibiotika zu verzichten?

Man sollte möglichst nicht rauchen. Und keine Fiebersenker nehmen. Und was ist mit Abhärtung? Es kommt darauf an, wie wir unseren Organismus schützen. Laut einer internationalen Studie litten Finnen nach einer Kältewelle weniger häufig unter Grippesymptomen als im Vergleich die Italiener. Das lag zum einen daran, dass Finnen Kälte eher gewohnt sind als Italiener. Aber die entscheidende Erklärung war diese: Die Italiener trugen einfach keine geeignete Winterbekleidung. Wir müssen uns also nur warm genug anziehen.


Schlagwörter: heilen, medizin
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Quelle: Für Sie, Ausgabe 07/2009

Autor: Bert Ehgartner

Bert Ehgartner, 46, studierte Publizistik und absolvierte Universitätslehrgänge über evidenzbasierte Medizin. Von 2000 bis 2005 war er Chefredakteur des Gesundheitsportals www.surfmed.de. Der österreichische Sachbuchautor und Dokumentarfilmer erklärt in seinem Buch „Lob der Krankheit“ (Bastei Lübbe, 16,95 Euro), welche Folgen ein manipuliertes Immunsystem haben kann.

Interview: Sabine Franz