Autor: Almut Siegert
Seite 3 aus dem Artikel: Weibliche Selbstbestimmung
Dankbarkeit macht glücklich
DANKBARKEIT MACHT GLÜCKLICH
Was also tun? Der Glücksforscher Professor Anton Bucher von der Universität Salzburg sagt: „Die Daten der beiden Wissenschaftlerinnen sind beeindruckend. Und es gilt, daraus auch politische Konsequenzen zu ziehen. Aber aus der Glücksforschung wissen wir auch, dass es Strategien gibt, wie sich das Glücksempfinden individuell sehr gut verbessern lässt.“ So konnte belegt werden, dass neben guten Freunden und körperlicher Bewegung Dankbarkeit ein wahrer Glücksmotor ist: Im Rahmen einer Studie wurden die Mitglieder einer Gruppe aufgefordert, jeden Tag für einen Moment zu überdenken, wofür sie dankbar sein können. Die andere Gruppe sollte resümieren, was am Tag schiefgelaufen war. Das Ergebnis: Schon bald unterschied sich das Glücksempfinden in beiden Gruppen deutlich, obwohl sie auf dem gleichen Level gestartet waren.
Buchtipps
- Anton Bucher: „Psychologie des Glücks: Ein Handbuch“ (Beltz, 268 Seiten, 29,95 Euro). Bucher stellt die Erkenntnisse der Glückspsychologie zusammen und gibt hilfreiche Tipps.
- Susan Nolen-Hoeksema: „Wege aus der Frustfalle“ (Eichborn, 200 Seiten, 14,95 Euro). Eine gelungene Mischung aus Ratgeber und Fachlektüre.
- Ute Gerhard: „Frauenbewegung und Feminismus“ (Beck Verlag, 128 Seiten, 8,95 Euro). Eine Geschichte der Frauenbewegung von 1789 bis heute.
Auch unsere Denkweise beeinflusst unser Glücksgefühl. „Besonders schädigend wirkt das Denken im Konjunktiv, dieses ,Hätte ich doch‘“, sagt Bucher. Anders gesagt: Beim Sofakauf zehn Geschäfte anzusteuern führt am Ende nicht zu einer besseren Wahl, sondern zu größerem Frust. „Wer der Versuchung widerstehen kann, jede Entscheidung hinterher wieder infrage zu stellen, wird dafür in der Regel mit guten Gefühlen belohnt“, erklärt Bucher. „Die Kunst, glücklich zu sein, liegt vor allem darin, für sein eigenes Leben die goldene Mitte zu finden. Eine Balance zwischen Anforderung und Ruhe. Das hat schon der erste Glücksforscher der Geschichte, Aristoteles, erkannt, und dieser Gedanke findet sich auch im Buddhismus wieder“, so Bucher.
Die Soziologin Ute Gerhard wünscht sich für die Zukunft vor allem, dass Männer es den Frauen gleichtun und sich nun ihrerseits stärker emanzipieren. Am Ende treffen sich Glücksforschung und Feminismus also: Es geht immer darum, ein Gleichgewicht zu finden.
Quelle: Für Sie, Ausgabe 06/2010

