Reisetipp
Ursula Karven in Kapstadt

Schauen, schmecken, spüren: Für Schauspielerin Ursula Karven steckt die Traumstadt am anderen Ende der Welt voller intensiver Glücksmomente.
Ursula Karven

Solch ein Gefühl kommt normalerweise plötzlich in mir hoch und legt sich recht schnell. Nur in Kapstadt setzt es sich dauerhaft in mir fest. Es ist das Gefühl, vollkommen von diesem Ort gepackt zu werden, sobald ich im Flugzeug über dem Tafelberg schwebe. Denn Kapstadt ist extrem. Eingekeilt zwischen Gipfeln und dem Atlantik, erhebt sich die Silhouette der Häuser in einer atemberaubenden Kulisse. Meine Augen können sich hier gar nicht sattsehen, hungrig entdecken sie immer wieder neues Futter. So anregend die Metropole ist, so entspannend ist sie zugleich. Hier singen Leute auf dem Weg zur Arbeit, gehen eine Runde surfen oder trinken einen Sundowner nach Feierabend. Kapstadt belebt meine Sinne und macht mich offen für Neues, auch in mir selbst.

Die Energie des Meeres spüren

Morgens den Kopf zum Fenster drehen und als Erstes Wasser sehen, das ist etwas ganz Besonderes für mich. Das Meer gibt mir das Gefühl von Weite, Grenzenlosigkeit und Kraft. In meinem Lieblingshotel, dem „The Table Bay“, haben alle Zimmer Aussicht aufs Wasser: auf die Granger Bay oder auf den Hafen und die Table Bay. Noch vorm Frühstück mache ich mit Blick nach draußen meine Power-Yoga-Übungen, um meine Energiezentren zu reinigen. Danach vielleicht an der schicken Shopping- und Amüsiermeile V&A Waterfront spazieren gehen? Oder downtown zwischen Art-déco-Bauten? Oder beides? In Kapstadt kein Problem.

Von fremder Lebensfreude anstecken lassen

Küsschen hier, Schwätzchen dort. Die Menschen in den Straßen Cape Towns haben füreinander Zeit. Und oft ein großes, breites Lachen. So ein Lachen ist für mich wie eine Umarmung, etwa wenn Tembeka Mzai Mzima mich auf dem Greenmarket strahlend begrüßt. Fast jeden Tag steht sie dort an ihrem Stand „Sibongile Pottery“ und verkauft Schalen und Schüsseln mit zauberhaften Schwarz-Weiß-Mustern. Handgetöpfert von Frauen aus der Township Gugulethu, Tembeka ist ihre Lehrerin. Um uns herum summt es auf dem Platz. Unzählige Händler versuchen, ihre Basttaschen, Springbockfelle und Straußeneier an den Mann zu bringen. Frauen mit kunstvollen Zopffrisuren schwatzen auf geregt, Kinder üben Tanzschritte auf dem Kopfsteinpflaster. Lebensfreude pur, die in meinem Bauch kribbelt.

Mich klein wie ein Sandkorn fühlen

Die Natur beginnt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Zum Beispiel an der Camps Bay, wo sich die Bergkette der zwölf Apostel wie eine Reihe gigantischer Türme erhebt und sich ein weißer, langer Strand am Meer entlangzieht. Die Landschaft ist so gewaltig, dass ich mir sofort unbedeutend und unwichtig vorkomme. Und das tut gut. Ich vergesse den Alltag mit seinen Problemen, in dem ich mich viel zu oft um mich selbst drehe. Auf einer Liege die Wärme Südafrikas aufsaugen, später einen Cappuccino trinken auf der Terrasse des „Paranga“, dem In-Lokal an der Strandpromenade. Einfach perfekt.


Schlagwörter: kultur, leben, reise
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Quelle: Für Sie, Ausgabe 24/2011

Autor: Ursula Karven