Älterwerden
Gedanken zum runden Geburtstag

Sie hat zwei Kinder, ein schönes Zuhause, der Job macht Spaß. Trotzdem kam FÜR SIE-Autorin Elisabeth Hussendörfer vor ihrem 40. Geburts
Frau mit Geburtstagskuchen

Die Drohung kommt am Telefon, als eine Freundin mich zum Geburtstag einlädt: „Keine Anti-Falten-Cremes und keine Bemerkungen über die nahenden Wechseljahre! Wer sich nicht daran hält, fliegt raus!“ Klare Worte. Die verraten, dass dieser Geburtstag „ein runder“ ist. Und zwar der mit der Vier vorn, der offensichtlich zu Extremen verleitet. Der die Leute entweder feiern lässt, als gäb’s kein Morgen. Oder aber klammheimlich Reißaus nehmen, in Wellnesshotels, zum Bergwandern, weil: „Jetzt denk‘ ich mal nur an mich.“ Dazwischen? Scheint es nichts zu geben. Verstehen können das vermutlich nur Eingeweihte, denke ich. Und bin dankbar, dass ich noch Zeit habe.

Dann aber, in den Monaten nach meinem 39. Geburtstag, erwischt es auch mich: Ich fühle eine merkwürdige Rastlosigkeit. Schrubbe das Bad im Akkord, koche seit Langem mal wieder im großen Stil für Freunde, erledige die komplette Ablage auf dem Schreibtisch – und bin doch nie mit dem Ergebnis zufrieden. Wozu machst du das alles? Auf was wartest du insgeheim? Ich kriege diese Fragen über Monate nicht mehr raus aus meinem Kopf. Wie ein kleiner Kobold, der ständig mit neuen Sinnfragen um sich schmeißt, sobald ich die alten wegsortiert habe. Ich schiebe es auf die viele Arbeit. Den anstehenden Umbau vom Haus. Es dauert, bis ich begreife, dass es nicht Veränderungen im Außen sind, die mir zu schaffen machen. Dass ich „von innen raus“ so ungewohnt reagiere.


Schlagwörter: alter, gesellschaft, leben
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Quelle: Für Sie, Ausgabe 19/2011

Autor: Elisabeth Hussendörfer