Schuh-Kolumne
Schuhe: Das perfekte Paar

Was uns in Hochform bringt, ist häufig unbequem - lässt aber tief blicken
Schuhe: Das perfekte Paar

Manchmal findet man tatsächlich das perfekte Paar. Schuhe, in denen man unter dem Caféhaustisch die Beine ausstreckt, einen verstohlenen Blick hinunterwirft und unwillkürlich lächelt. In die der Fuß sich schmiegt, als wären sie maßgemacht. In denen man genau so auftritt, wie man auftreten möchte, leichtfüßig und fest. Schuhe, die alles, was man über ihnen trägt, auf ihr Niveau heben. Die sogar erlauben, ohne Fluchen im letzten Moment einen Bus zu erwischen. Selbst wenn sie löchrig und formlos geworden sind, wirft man solche Schuhe nur schweren Herzens in die Mülltonne, und noch lange danach tut es einem leid, dass man sie damals nicht auch noch in Schwarz gekauft hat oder dasselbe Modell zweimal.

Was mich betrifft, sind solche Glücksfälle allerdings selten. Öfter kommt es vor, dass ich begeistert erstandene Schuhe nur zwei- oder dreimal trage. Das hat nichts damit zu tun, dass sie mir nicht mehr gefallen: Bei Kleidern habe ich mich manchmal schon am Tag nach dem Kauf gefragt, wie ich nur konnte; bei Schuhen nie. Schöne Schuhe zu kaufen ist leicht, es gibt so viele. Dabei bin ich ein harmloser Fall, absolut durchschnittlich. Welche Frau besitzt nicht mindestens ein Paar eine halbe Nummer zu kleine Schuhe – ausgeprägte Fantastinnen: eine Nummer –, erstanden in der Hoffnung, das Leder werde „nachgeben“? (Und möge Gott all die gewissenlosen Verkäuferinnen, die mir solche Einkäufe erlaubten, mit einer Hammerzehe strafen!) Wer ist nie barfuß nach Hause gelaufen, die schmalen, spitzen, hinreißenden Folterinstrumente in der Hand? Wer hat sich nie für ein sündteures, extravagantes Kunstwerk verausgabt, um dann festzustellen, dass nichts im Schrank dazu passt? Es gibt verschiedene Erklärungen für diese offenbar rein weibliche Irrationalität. Vielleicht hat ja die Schauspielerin Sarah Jessica Parker recht, die (nicht nur als Carrie in „Sex and the City“) findet, der perfekte Schuh sei „purer Sex am Fuß“. Doch mögen Meister wie Ferragamo und Blahnik auch beteuern, wie viel Mühe sie darauf verwenden, ihre Schuhe bequem zu gestalten: Für 12 Zentimeter hohe Absätze und schmal zulaufende Spitzen ist der menschliche Körper einfach nicht gemacht – was Dr. Thomas Pauly vom Deutschen Orthopäden-Verband bestätigt. Seine Zunft hat mit den Konsequenzen zu tun: eingequetschte Nerven, Zehenfehlstellung, Probleme mit der Wirbelsäule. „Ich weiß nicht, wer hohe Absätze erfunden hat, aber alle Frauen verdanken ihm viel“, sagte Marilyn Monroe. Wäre sie älter geworden, hätte sie ihre Meinung vielleicht geändert.


Lesen Sie auch
Kommentare
Artikel weiterempfehlen
Zum Artikel

© Barbara Baumgartner
Quelle: Für Sie, Ausgabe 03/2009