Leben mit Ängsten
Panik-Attacken

Mehr als zehn Millionen Deutsche leiden unter Angststörungen. Auch Ulrike Parthen. Ihre Geschichte zeigt, wie man den Alltag trotzdem meistern kann.
Panik-Attacke

Die Waffe, mit der Ulrike Parthen ihre Angst immer wieder erfolgreich bekämpft, ist leicht und unauffällig. Und klein genug für die Handtasche – überall kann man sie bei sich tragen: Es ist eine grüne Plastiktüte. Ein trivialer Gegenstand – doch er hat enorm dazu beigetragen, dass Ulrike Parthen sich im Alltag wieder wohlfühlen kann. Die 42-Jährige aus einer Kleinstadt bei Stuttgart leidet unter Panikanfällen: Das sind Angst-Attacken, die sie in jedem Moment urplötzlich überfallen können. Dann verspürt sie wie aus heiterem Himmel die Panik, sich vor anderen Leuten übergeben zu müssen. In solchen Situationen ist das grüne Plastiksäckchen ihr Rettungsanker, ihr Beruhigungsmittel. Denn auch wenn sie es bisher nie gebraucht hat, weiß sie, dass sie es notfalls könnte.

Neulich, auf der Fahrt zu ihrer Therapeutin, da geschah es wieder: Ihr wurde übel. Das Herz begann zu rasen. Die Hände wurden feucht. Die Panikattacke schnürte ihr die Kehle zu. Im ersten Moment wollte sie umkehren, nach Hause fliehen, sich ins Bett verkriechen. Doch sie fuhr weiter und sagte sich: „Falls es wirklich zum Schlimmsten kommt, kannst du die Tüte jetzt wenigstens mal ausprobieren!“ Sich selbst und die eigene Angst so mit Humor zu betrachten: Das half. Derart souverän war Ulrike Parthen lange nicht. 25 Jahre verkroch sie sich mit ihrem Problem, ließ die Furcht ihr Leben regieren. Und rätselte, warum die Panik sie immer wieder knebelte. „Ein Grund könnte sein, dass meine Mutter stets überbesorgt um mich war“, sagt sie. „Tu dies nicht, das ist viel zu riskant! Lass das, du kannst das nicht!“ Wenn Eltern ihrem Kind vermitteln, dass die Welt ein bedrohlicher Ort ist und man sich nicht verhalten kann, wie man möchte, dann verunsichert das und macht ängstlich.


Lesen Sie auch
Kommentare
Artikel weiterempfehlen
Zum Artikel

Quelle: Für Sie, Ausgabe 15/2011

Autor: Bruntje Thielke