Moritz Bleibtreu über den letzten Film mit seiner verstorbenen Mutter und sich.
Moritz Bleibtreu: „Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt“

Eine höchst emotionale Komödie: Moritz Bleibtreu über „Soul Kitchen“ – der letzte gemeinsame Film von ihm und seiner verstorbenen Mutter Monica.
Moritz Bleibtreu: „Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt“ 0

Die ungleichen Brüder Illias und Zinos (Adam Bousdoukos, links) durchleben gute und schlechte Zeiten vor der Kulisse ihrer Hamburger Kneipe "Soul Kitchen". Eine lebendige Multikulti-Komödie. "Soul Kitchen", ab 25. Dezember im Kino

Das ist ganz nach Moritz Bleibtreus Geschmack: In der Komödie „Soul Kitchen“, dem neuesten Erfolgsstreich von Regisseur Fatih Akin, verkörpert der 38- Jährige einen hanseatischen Deutsch- Griechen mit Ecken und Kanten – inklusive liebenswertem Kern. Bleibtreus Paraderolle, die er diesmal in einem – so die Macher – „schmutzigen Heimatfilm“ spielt …

Herr Bleibtreu, was ist Heimat für Sie?

Hamburg natürlich, aber vor allem ein Lebensgefühl, das sich um Loyalität und Freundschaft dreht. Die Menschen müssen verstehen, dass sie zusammenkommen müssen, dass sie sich mögen, füreinander da sein und sich im besten Fall lieben sollten. Da kommt nationale Identität und das „böse“ Wort Nationalstolz ins Spiel. Aber wenn wir nicht stolz auf uns sind und uns aneinander erfreuen, dann werden wir auch nie eine soziale Verbundenheit empfinden.

Trifft „Soul Kitchen“ Ihr Heimatgefühl?

Ja. Im Film wird das Deutschland gezeigt, in dem ich leben will, in dem ich mich zu Hause fühle, auf das ich stolz bin. Wir leben in einem multikulturellen Land. Und für mich ist Integration, dass die Leute sich hier irgendwann wohlfühlen und das Land lieben. So etwas wie Leitkultur ist dann überflüssig.

Warum fällt es uns Deutschen so schwer, einen modernen Heimatfilm zu machen?

Wir suchen hierzulande zu angestrengt danach, wie unser Heimatbegriff visuell aussehen kann. Dann zeigt uns Fatih Akin, ein Türke aus Hamburg-Ottensen: „Seht mal her, so geht das.“ Genial!


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© Interview: Rainer Vogt
Quelle: Für Sie, Ausgabe 01/2010