Autor: Sabine Franz
Seite 2 aus dem Artikel: Mikrokredit - made in Germany
Ohne Prüfung kein Geld
Den wenigsten Neueinsteigern wird jedoch ein Dispokredit von ein paar Tausend Euro gewährt, und nicht alle können ohne Weiteres einen Bankkredit aufnehmen. „Wir wissen, dass der Zugang zu Krediten für Gründer und junge Unternehmen schwierig ist. Und wir beobachten, dass die Finanzkrise die Situation noch erschwert“, sagt DMI-Geschäftsführer Markus Weidner. Bearbeitungsaufwand und Kosten für Kleinkredite sind für Banken und Sparkassen gemessen am Ertrag relativ hoch. Deshalb ist die Vergabe kleiner Darlehen für Kreditinstitute wenig attraktiv. Wer sich zudem aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig macht oder bereits einen Kredit aufgenommen hat, bekommt in der Regel kein Unternehmensdarlehen.
Ohne Prüfung kein Geld
Bei der Mikrofinanzierung macht nicht in erster Instanz die Bank den Weg zum Kapital frei, sondern ein Mikrofinanzierer, der die Anträge der Gründer prüft, eine Kreditempfehlung an die kooperierende Bank ausspricht und die Startund Aufbauphase der Kleinunternehmen begleitet. Im Fall von Marina Krüger war dies die Wirtschaftsförderung Hamm. „Ich musste einen Businessplan vorlegen und meine finanzielle Situation offenlegen“, sagt Krüger. Die Experten machten sich ein persönliches Bild von der Lebenssituation der Antragstellerin und der Tragfähigkeit ihres Projektes. Die Beurteilung fiel positiv aus. Nach zwei Monaten hatte Marina Krüger ihren Kleinkredit in der Tasche. „Wir wollen erreichen, dass keine gute Idee an der Finanzierung scheitern muss. Denn unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen brauchen wir Unternehmerinnen und Unternehmer, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen“, sagt Dietmar Binkowska, Vorstandschef der NRW-Bank.
Der Erfolg gibt den Mikrofinanzierern recht. Im Rahmen des Pilotprojekts „NRW/EU-Mikrodarlehen“ wurden innerhalb der ersten fünf Monate 40 Darlehen mit einem Gesamtvolumen von knapp 900 000 Euro bewilligt – und so 76 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die meisten Gründer machen sich mit Hilfe eines Mikrodarlehens im Einzelhandel, in der Dienstleistung und Gastronomie selbstständig, weiß Markus Weidner. „Der weibliche Anteil ist vergleichsweise hoch, was daran liegt, dass viele Frauen als Teilzeitunternehmen starten und insgesamt vorsichtiger an eine Existenzgründung herangehen.“ Auch Zinssätze bis zu zehn Prozent schrecken die meisten Gründer nicht, die Ausfallquote der DMI-Kredite liegt lediglich bei rund sechs Prozent. Marina Krüger muss im ersten Jahr nur die Zinsen zurückzahlen, in ihrem Fall sind das 80 Euro monatlich. Ab dem zweiten Jahr zahlt sie die vollen Raten von 300 Euro. Dann hofft sie, schwarze Zahlen zu schreiben.
Quelle: Für Sie, Ausgabe 15/2009

