Interview
„Helden werden nie aussterben“
Die amerikanische Philosophin Susan Neiman glaubt, dass Vorbilder alleine nicht reichen, um zu erkennen, dass man auch das schier Unmögliche erreichen kann
Frau Neiman, „Held“ ist ein Begriff, der heute fast schon inflationär benutzt wird. Der Sprinter Usain Bolt lief Weltrekord über 100 Meter – ein Held! Die Jungs der Band Tokio Hotel sind die Helden kleiner Mädchen. Aber sind diese Menschen wirklich Helden? Ich halte weder Sportler noch Popstars für Helden. Das sind Celebrities oder Stars. Natürlich können diese Leute Vorbilder sein. Sie zeigen einem, was man im Leben alles erreichen kann. Und es ist schön, dass ihre Leistung, sei es im Sport oder in der Musik, geehrt wird. Aber Helden sind sie nicht. Ich zum Beispiel halte Bob Dylan für einen ganz großartigen Dichter, aber deswegen ist er noch kein Held.
Worin liegt denn der Unterschied zwischen Vorbild und Held? Vorbilder zeigen uns, dass jeder das Optimale erreichen kann. Erfolgreiche Frauen beweisen ihren Geschlechtsgenossinnen, dass sie das Gleiche schaffen können wie Männer. Helden aber zeigen uns: Auch das Ungewöhnliche ist möglich, das, was über die normalen menschlichen Grenzen hinausgeht.
Das bedeutet aber, dass nicht jeder das Zeug zum Helden hat, oder? Ich glaube doch! Es gibt empirische Experimente von der Universität Stanford, die zeigen, dass bestimmte Situationen – wenn Unrecht passiert oder Menschen Hilfe benötigen – Helden herausfordern. Und in Trainings kann man lernen, in entsprechenden Situationen heldenhaft zu reagieren.
©
Susanne Strätz
Quelle: Für Sie, Ausgabe 22/2009


