Seite 5 aus dem Artikel: Die Pflicht zur Schönheit
Natürliche Schönheit wird selten

Je weiter sich die kosmetische Chirurgie verbreitet, desto weniger wird man in Zukunft der natürlichen Schönheit vertrauen können.
Das stimmt. Wir werden skeptischer werden – und dadurch weiser. Wenn ich mich auf die Erscheinung einer Person nicht mehr verlassen kann, muss ich andere Kriterien zurate ziehen, den Charakter oder die Intelligenz. Wer weiß, vielleicht führt diese ganze Manipulations- Maschinerie am Ende dazu, dass man plötzlich wieder nach der Wahrheit dahinter fragt.

Wie weit sind Sie selbst schon für die eigene Schönheit gegangen?
Wie Sie sehen, bin ich nicht weit gekommen. Dummerweise werde ich als Autorin häufig zum Fototermin gebeten. Das ist furchtbar, weil ich immer älter werde und merke, dass mir mein Äußeres nicht gleichgültig ist. Ich bin aufmerksam, weiß grob über Mode Bescheid. Aber echte Opfer bringe ich nicht.

Unsere Expertin

Alicia Giménez-Bartlett, 57, ist in Deutschland vor allem durch ihre Barcelona-Krimis mit der eigenwilligen Inspektorin Petra Delicado bekannt geworden. Die spanische Schriftstellerin hat auch eine Kulturgeschichte der Hässlichkeit verfasst: „Ich bin Ich und Ich ist schön – Warum Frauen schön sein müssen und nicht hässlich sein dürfen“ (Berenberg, 21,50 Euro).


Sie haben also noch keine Schönheits- OP vornehmen lassen?
Mich erwischt dieser Boom schon im fortgeschrittenen Alter. Wenn ich heute 40 wäre, hätte ich mir womöglich ein paar Straffungen gegönnt. Aber mit 57 Jahren!? Außerdem habe ich eine Freundin, die plastische Chirurgin ist und mir immer genau die Techniken erklärt: Du ziehst hier die Muskeln entlang, dort rammst du Nägel hinein et cetera. Das klingt für mich eher abschreckend.


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© Merten Worthmann
Quelle: Für Sie, Ausgabe 03/2009