Autor: Verena Lugert
Geld oder Zufriedenheit?
Die Biologie des Glücks
Was macht ein erfülltes Leben aus: ein dickes Konto oder ein Beruf, in dem wir etwas Sinnvolles tun können? Frauen entscheiden sich oft gegen den Ruhm – und sind glücklich. Forscher machen Unterschiede im weiblichen Gehirn dafür verantwortlich.
Silke, 42, Chirurgin in einem Krankenhaus, war am Ende nur noch zermürbt vom täglichen Hierarchie-Hickhack, vom Geschleiche um die Gunst der Professoren, dem Geschacher um die prestigeträchtigen Operationen. Sie konnte über die Wutanfälle ihres Chefs – er war bekannt dafür, mit Skalpellen zu werfen – nicht mehr lachen. Sie kündigte und fing bei einer Versicherung an, wo sie Menschen am Telefon medizinisch berät. Oft rufen Versicherte voller Sorge an, wenn ihnen im Ausland etwas passiert ist. Silke kommt um neun und geht um fünf. Ihre Bürowand ist voller Ansichtskarten mit rührenden Dankesworten.
Nach seinem Tobsuchtsanfall hatte Silkes Professor ihr gesagt, er sei persönlich aufs Tiefste enttäuscht von ihr. Sie habe sich seiner Förderung als unwürdig erwiesen. Sie sei jetzt glücklich, antwortete sie. „Frauen!“, hatte er noch geschnaubt, als er den Raum verließ. Frauen. Haben sie zu wenig Schmackes, zu wenig Karrierebiss, wenn es drauf ankommt: sich dem Kampf zu stellen und dem Feind mal ein Bein? Wenn es darum geht, nach oben zu kommen? Oft ziehen Frauen dann die Notbremse. Warum tun sie das, die Frauen?
Quelle: Für Sie, Ausgabe 01/2009

