Für immer schön?
Beauty-Wunder Hyaluronsäure
Mehr als nur ein Feuchtigkeitsspender. Wie und in welcher Form das kostbare Elixier am besten wirkt, um die Haut langfristig glatt und straff zu halten
Zwei Tropfen vorm Schlafengehen einmassiert, zwei Tropfen am Morgen – und die Haut wirkt prall und strahlend wie nach einem Herbstspaziergang. Sie glauben, das klingt wie Hokuspokus? Von wegen. Ein Hyaluronsäure-Elixier vollbringt tatsächlich glatte Wunder. Das Geheimnis: Der Powerstoff saugt Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm – ein Gramm kann bis zu sechs Liter Wasser binden! Die in den neuen Anti-Age-Cremes und Fillern enthaltene Hyaluronsäure geht bis in die Tiefe und füllt dort die Feuchtigkeitsdepots der Haut nachhaltig auf.
Was ist Hyaluronsäure eigentlich?
Anders, als ihr Name vermuten lässt, ist Hyaluronsäure (von griechisch „hyalos“ = gläsern) ein Naturprodukt. Sie steckt im ganzen Körper, davon zu über 50 Prozent in der Haut beziehungsweise in den Zellzwischenräumen der Dermis. Der gelartige Feuchtigkeitsmagnet wird von den Bindegewebszellen produziert, wo er sich zu einem wahren Multitalent entwickelt: Hyaluronsäure polstert die Haut auf, stützt kollagene und elastine Fasern und kann sogar freie Radikale abfangen. Doch der Effekt ist nicht von Dauer. Etwa ab dem 25. Lebensjahr leeren sich die Depots peu à peu. Die hauteigene Produktion kommt nicht mehr nach – Sie merken es daran, dass die Spannkraft langsam nachlässt. Ab 40, wenn die Haut generell weniger Feuchtigkeit speichert, können sich tiefere Falten abzeichnen. Zeit, um von außen nachzuhelfen.
Wie nutzt die Kosmetik den Stoff?
Findige Forscher kamen schon beizeiten auf die Idee, Hyaluronsäure im Labor herzustellen – aus Hahnenkämmen. Um allergische Reaktionen auf tierische Proteine auszuschließen, wird der Stoff heutzutage jedoch vor allem biotechnologisch aus Mikroorganismen (z. B. aus Weizen) gewonnen. Japanische Kosmetikunternehmen brachten Hyaluronsäure schon in den 80er Jahren erfolgreich als Serum auf den Markt. Damit sah der Teint selbst nach durchfeierten Nächten im Nu taufrisch aus. Allerdings hielt der Beauty-Effekt nur kurze Zeit an. Der Grund: Die großen Moleküle blieben auf der Haut liegen und konnten nicht tief eindringen. Heute ist man bereits einen gewaltigen Schritt weiter und kann Hyaluronsäure in kleineren Fragmenten herstellen. „So wird der bioaktive Feuchtigkeitsspender von der Haut leichter aufgenommen“, erläutert Dr. Maria Langhals, Leiterin der Produktentwicklung Gesichtspflege bei Beiersdorf. In unteren Schichten soll die Produktion von Hyaluronsäure angekurbelt werden. Dieses Ziel wird auf unterschiedlichen Wegen verfolgt: Decléor will die Hyaluronsäure-Produktion mit wildem Stiefmütterchen-Extrakt anregen. Kanebo baut auf eine Kombination aus Beta-Carotin, einem Hyaluronbooster und einem Cocktail aus Rosen-, Sandelholz- und Jasminaroma. Und Estée Lauder setzt auf Vorbeugung – mit einer ausgeklügelten Technologie, die jenes Enzym ausbremst, das Hyaluronsäure abbaut.



© Marina Knippel
Quelle: Für Sie, Ausgabe 21/2009