Glück, Leben, Psychologie
Die Kunst, das Leben zu genießen

Ist Ihr Glas halb voll oder halb leer? Glück hängt in erster Linie von der richtigen Einstellung ab – und nicht vom Geldbeutel
Die Kunst, das Leben zu genießen

Es war der zweithöchste Einzelgewinn in der deutschen Lottogeschichte.  Mit einem Einsatz von nur 10,75 Euro knackte ein Bayer im September 2009 den Jackpot und gewann 31,7 Millionen Euro. Zur besseren Vorstellung: Aufgeteilt in 50- Euro-Scheine sind das mehr als 600 Kilo Geld, das bei einer Verzinsung von 2,5 Prozent 2000 Euro bringt – täglich! Hört sich toll an, oder? Aber es kann eben nur einer gewinnen, was eigentlich gar nicht so schlimm ist. Die Glücksforschung, die sich seit über 25 Jahren mit der Frage beschäftigt, was den Menschen denn nun glücklich macht, hat herausgefunden: Geld macht zwar etwas zufriedener, ist aber kein Garant für Lebensfreude. Die Grenze, bis zu der mehr Vermögen oder ein höheres  Einkommen das Lebensgefühl messbar steigert, liegt nur knapp unter dem durchschnittlichen Jahreseinkommen des jeweiligen Landes.

Die Tretmühle des Glücks

Sobald man nicht mehr täglich um seine Existenz bangen muss, spielt Geld beim Glücksempfinden nur noch eine untergeordnete Rolle. Das klingt zunächst erstaunlich, liegt aber an einer menschlichen Eigenschaft, die sich in der Entwicklungsgeschichte als sehr sinnvoll erwiesen hat. Unsere Psyche ist so ausgestattet, dass wir uns Neuem relativ schnell und gut anpassen können. Aber die Evolution wusste eben nicht, dass es irgendwann Lottogewinne und Shoppingtouren geben würde. Und so empfindet man es nach etwa einem Jahr als normal, über ein pralles Konto zu verfügen, egal wie überwältigend der Gewinn am Anfang war. Bei neuen Stiefeln  oder der Designer- Handtasche läuft dieser Gewöhnungsprozess noch sehr viel schneller ab. Wissenschaftler sprechen von einer „hedonic  treadmill“, einer Tretmühle des Glücks. Das Neue wird schnell alt und muss deshalb wieder und wieder durch immer Neues ersetzt werden, damit der sogenannte Kick sich einstellt. Hinter dieser Erkenntnis verbirgt sich jedoch eine sehr positive Botschaft: Lebensgenuss hängt weit weniger vom Geldbeutel ab, als wir denken. Es ist vor allem die Art und Weise, wie wir das Leben betrachten, die über Glück oder Unglück entscheidet.


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Quelle: Für Sie, Ausgabe 24/2009

Autor: Almut Siegert