Seite 4 aus dem Artikel: Volksport Marathon
Ehrgeiz

Ehrgeiz

Heide Suski begann eigentlich nur mit dem Joggen, weil die Waage zehn Kilo zu viel anzeigte. Als die 40-Jährige eine Stunde am Stück laufen konnte, war der Ehrgeiz der Hanseatin geweckt: „Jahrelang bewunderte ich als Zuschauer die Marathonläufer. 2008 wollte ich erstmals selbst meine eigenen Grenzen erfahren.“ Zu sehen, wann man am Ende der eigenen Kräfte ist, und die Erfahrung, dass man diese Tiefen überwinden kann, das sind Erlebnisse, die der Alltag heute nicht mehr bietet – wonach sich aber offensichtlich viele sehnen.

„Ein Marathonabsolvent spürt noch Tage danach, wie sehr er sich verausgabt hat. Diese Mischung aus körperlichem und psychischem Erleben ist unglaublich stark“, sagt Wessinghage. Und dieses Auf und Ab bedeute für Marathonläufer tatsächlich viel mehr als die Ausschüttung der Glückshormone, die man beim sogenannten Runners High erleben kann. Auch Sportpsychologe Marlovits betont die Kraft der Krisen: „Irgendwo zwischen Kilometer 25 und 40 rennt jeder Teilnehmer in ein Tief.

Dadurch lehrt Marathon Demut. Und in unserer entgöttlichten Kultur holt man sich diese Erfahrung eben sonntags beim Lauf-Event statt in der Kirche.“ Ein letztes Argument für den Marathon liefern diejenigen, die am Straßenrand stehen – schwankend zwischen Begeisterung und Kopfschütteln. Denn die Zuschauer treiben an, spenden Kraft, und ihr Applaus ist gut fürs Ego.

Marlovits: „Wer sich auf seinem Leidensweg Hilfe von außen holt, statt – wie üblich in unserer Ego-Gesellschaft – es allein durchziehen zu wollen, der erfährt am Ende ein unglaubliches Glücksgefühl.“


Schlagwörter: abnehmen, psychologie, sport
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Quelle: Für Sie, Ausgabe 09/2009

Autor: Sibylle Royal