Autor: Sibylle Royal
Report
Volksport Marathon
Sie rennen 42,195 Kilometer zu Fuß und ohne Pause – freiwillig. Tausende von Frauen und Männern schnüren sich jetzt die Laufschuhe, um bei den großen Veranstaltungen zu starten. Warum tun sie sich die Strapaze an?
Stellen Sie sich vor, Ihre Freundin würde von ihrem neuen Hobby schwärmen und es klänge ungefähr so: „Es ist nie von Anfang bis Ende schön. Der Reiz ist, weiterzumachen, wenn es wehtut.“ So beschreibt Gabriele Paul ihre große Leidenschaft Marathon. Drei bis vier absolviert sie pro Jahr. Entdeckt hat sie die Freude am Schmerz vor neun Jahren, als sie sich zum 40. Geburtstag die freie Zeit zur Marathon-Vorbereitung schenkte. Seitdem trainiert die Berlinerin mindestens dreimal die Woche, in der intensiven Vorbereitung bis zu fünfmal. Diese 42,195 Kilometer – das stellt man als Nicht-Marathoni schnell fest – sind offenbar viel mehr als ein Hobby.
Sie sind für Läufer wie die zweifache Mutter Gabriele Paul wichtiger Teil ihres Lebens und ein Stück des Alltags, das sie sich nicht mehr wegdenken können. Und aus einer Extremleistung für wenige ist fast ein Volkssport geworden. Letztes Jahr schindeten sich 130 000 Frauen und Männer in Deutschland erfolgreich über die offizielle Olympiadistanz. Allein in Hamburg werden am 26. April wieder 19 000 Läufer starten – die Einwohnerzahl einer Kleinstadt. Es laufen Männer, es laufen Frauen, es laufen Junge, es laufen Alte.
Tatsächlich auffallend viele Ältere – das Durchschnittsalter der Aktiven liegt bei für Sportlern verhältnismäßig hohen 40 Jahren. Insbesondere die Zahl der Teilnehmer jenseits der 50 und auch der Frauenanteil steigt laut einer Studie der Sporthochschule Köln.
Quelle: Für Sie, Ausgabe 09/2009



